Die richtige Antwort ist noch lange keine Lösung

Martin Crimp, der Autor mit den Tandem-Dramen – ein Porträt

Das Gespräch im kleinen Cafe Koha um die Ecke vom Leicester Square schiebt Crimp zwischen zwei Probenbesuche in Hamburg. «Karriere-Management», zuckt der Autor ergeben lächelnd die Schultern, «aber ich bin gern bei Proben dabei, und zwischendurch habe ich immer noch Zeit für den Schreibtisch.» Seit über zwanzig Jahren gehört Crimp zum britischen New-Writing-Kontingent. Das schaffen die Wenigsten auf einem unbeständig fluktuierenden, kapriziösen Dramatiker-Markt, der viel auf Erstlingswerke setzt. Zum Drama fand er, wie er unschuldig sagt, «aus Zufall».

Der Sohn eines British-Rail-Ingenieurs entdeckte das Theater während seiner Schulzeit in Yorkshire und stand in Schulstücken nicht nur auf der Bühne, sondern kümmerte sich auch ums Licht, um Ton, um alles, was anfiel. Er kommt aus keinem allzu literarischen Haushalt, war der Erste in seiner Familie, der studierte. Dann aber auch gleich an einer der besten englischen Adressen, St. Catharine’s College, Cambridge.

Schreiben wollte Crimp, seit er denken kann, und sobald er mit der Uni fertig war, warf er sich in Prosa- und Theatertexte. «Die Prosa wollte zum Glück keiner haben, nichts ist veröffentlicht, aber mein erstes Stück ‹Living ...

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Theater heute Januar 2014
Rubrik: Akteure, Seite 32
von Patricia Benecke

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