Die Rache des unterdrückten Ichs

Hurra, hurra, ein neuer Poproman ist da! Allerdings hält «Lustprinzip» von Rebekka Kricheldorf nicht ganz, was er verspricht

Larissa ist eines dieser typischen Provinzmädchen, die nach Berlin kommen, um ihr Glück zu finden. Das macht sie aber nicht zur Nachfahrin des «kunstseidenen Mädchens». Während Irmgard Keuns Heldin ein Glanz werden möchte, will die Heldin von Rebekka Kricheldorf das Gegenteil: keine Karriere als Schauspielerin und schon gar nicht Muse in der Low-Budget-Produktion eines halbtalentierten Weggefährten sein. Dann schon lieber Slackerin (hauptberufliche Rumsitzerin).

Und so lernt man Larissa bei etwas kennen, was Studierende gut können: tanzen, trinken, Nächte durchfeiern, und danach zerstört neben einem Fremden aufwachen, oder, wie es Larissa passiert, neben einem «gänzlich unbekannten» Hund. Ihrer ist aber viel netter als der in «Herr Lehmann». Trotzdem will sie nicht mit ihm kuscheln, sondern schlurft schnell auf die Straße hinaus. Aber da ist es auch trist, überall Müll, oben drüber Balkone, die aussehen, als könnten sie einen jeden Moment unter sich zerquetschen. 

Wir befinden uns in Rebekka Kricheldorfs Debütroman «Lustprinzip» im Berlin der neunziger Jahre. Genauer gesagt in Friedrichshain, wo es zwischen Wende und Partytourismus ja ziemlich anarchisch zuging. Kricheldorf ist in ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2021
Rubrik: Bücher, Seite 34
von Anna Fastabend

Weitere Beiträge
Fremd, ohne zu befremden

So müssen sich die antiken Griechen gefühlt haben, wenn sie bei der Uraufführung eines Tragödienzyklus waren. Ein großes gemeinschaftliches Erlebnis und die faszinierende Neugestaltung eines alten Mythos: Das war «Dionysos Stadt» 2018 an den Münchner Kammerspielen. Christopher Rüping gelang damals eine so kluge wie berührende zeitgenössische Neudeutung des...

Der Zeuge

Erst auf Seite 125 fällt zum ersten Mal ein Wort, das nach Thomas-Bernhard-Sprache klingt. Das hat es dann aber gleich in sich: «Gesellschaftsunvereinbarkeit». Damit trifft Peter Fabjan, der jüngere Halbbruder des Schriftstellers und dessen lebenslanger Begleiter, nicht nur Bernhard, sondern auch sich selbst: «Wir leben in Parallelwelten mit unterschiedlicher...

Ich leide, also bin ich

Sie haben’s nicht leicht, die Sprösslinge der europäischen Königshäuser. Für das Leben im Fokus der Öffentlichkeit, der Paparazzi, der Yellow Press brauchen man und frau starke Nerven. Die royale Tradition und die Rollenvorgaben liegen schwer auf den Schultern. Hinter den prunkvollen Fassaden, hinter Glitzer und Glamour lauern oft genug Abgründe. Siehe Lady Di. 

Au...