Die Möglichkeitsform einer Komödie

Kathrin Röggla «worst case»

Das Worst-Case-Szenario sieht in diesem Fall wie eine Mischung aus altmodischem TV- oder Rundfunkstudio, Kraftwerks-Kontrollraum und Raumschiff Enterprise aus. Die Schauspielerinnen und Schauspieler blicken uns durch ein in die hintere Wand der Bühne geschnittenes Panoramafenster an; sie haben große Kopfhörer auf und verschiedene bunt blinkende Lämpchen im Rücken. Auch einer dieser riesigen Kaffeeautomaten, die im Vor-Nespresso-Zeitalter jede größere Bürogemeinschaft mit Koffein versorgte, ist in das retrofuturistische Bühnenbild (Aurel Lenfert) integriert.



Wir befinden uns im ersten Bild von Kathrin Rögglas vorletztem Stück «worst case» (Stück­abdruck in TH 1/09), in dem vier «Zuseher» live von einer Katastrophe berichten, die gar nicht stattfindet. Wenn man dafür eine konkrete szenische Übersetzung finden möchte, könnte sie tatsächlich so aussehen: Selbsternannte Reporter senden aus einem selbstgebastelten Studio, und es ist ihnen ganz egal, dass sie niemand hört – schließlich sind sie selbst ihr bestes Publikum.

Rögglas Text über die alltägliche Paranoia ist fast durchgehend im Konjunktiv geschrieben. Erstens, weil die Katastrophen, von denen da die Rede ist, gar nicht wirklich ...

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Theater heute Dezember 2009
Rubrik: Chronik, Seite 50
von Wolfgang Kralicek

Vergriffen
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