Die Gehirne stürmen

Vom Euro-Maidan in die ATO-Zone: Mit dem Workshop-Festival «Dokument des Maidan» versuchen junge ukrainische Theater­macher, die Geschehnisse in ihrem Land besser zu verstehen

Wenige Tage vor den Parlamentswahlen Ende Oktober wirkt Kiew weder von einem schwelenden Krieg im Osten noch von einem lautstarken Wahlkampf aufgewühlt. Es gibt natürlich Wahlplakate, und im Fernsehen reihen sich die Werbespots der Parteien. Aber dieser Platz, auf den die ganze Welt schaute und der im Grunde Europa verändert hat, ist leer und aufgeräumt.

Auf dem Maidan gibt es eine Ausstellung mit Fotos vom Krieg im Osten und eine Tafel mit den «Himmlischen Hun­dert», den Opfern der Scharfschützen, für die dann auch am Rand des Platzes einzeln vor jedem Bild Blumen abgelegt werden können. Es scheint, das Andenken an die «Himmlischen Hundert» gebietet Ruhe und Einhalt, Parteiengezänk ist hier erst mal tabu. Die einzige Lautsprecheransage wirbt für einen touristischen Ausflug zum Luxus-Anwesen von Viktor Janukowytsch, den man direkt ab Maidan buchen kann.

Vor einem Jahr, genauer: am 21. November, begann hier, was als Euro-Maidan bereits in die Geschichte eingegangen ist. Der Dauerprotest endete in Gewalt, war aber mit der Absetzung und Quasi-Vertreibung des Präsidenten erfolgreich. Die schwierige Zeit einer Übergangsregierung nutzten offenbar schon gut vorbereitete Separatisten für ...

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Theater heute Dezember 2014
Rubrik: Ausland, Seite 42
von Thomas Irmer

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