Die anderen Seiten der Flucht

Theater aus dem Nahen und Mittleren Osten beim FIND-Festival an der Berliner Schaubühne

Theater heute - Logo

Manche Deutsche haben einen eigenartigen Humor, der sehr ironisch sein kann», warnt das kleine, blaue Buch, aus dem der Schauspieler Khalifa Natour vorliest. «Im Zweifelsfall lieber nachfragen, wie etwas gemeint ist. Andere wirken so, als hätten sie überhaupt keinen Humor.»

Was im Studio der Schaubühne am Lehniner Platz große Erheiterung beim Publikum auslöst, ist keine satirische Überspitzung der deutschen Mentalität aus fremder Perspektive.

Die israelisch-palästinensische Werkstattpräsentation «ManmaRo Project» konfrontiert das (deutsche) Publikum mit seinem Selbstbild – genauer gesagt, mit einem neuen literarischen Genre, das seit Herbst letzten Jahres boomt und in Leitlinienform auftritt: die Neue Deutsche Selbstbeschreibung. 

 

«Deutschland. Erste Informationen für Flüchtlinge» heißt dieses von der Konrad-Adenauer-Stiftung herausgegebene Regelwerk, das die politische Leitkultur-Debatte faktisch auf den publizistischen Ratgebermarkt verlegt (für Flüchtlinge mit iOS und Android auch als kostenfreie App erhältlich); schon eine oberflächliche Recherche im Internet offenbart die Vielfalt an Crashkursen in die bundesrepublikanische Wirklichkeit: Neben politischen Stiftungen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2016
Rubrik: Festivals, Seite 42
von Anja Quickert

Weitere Beiträge
Neue Stücke

Kaum hat das Mülheimer Stückefestival seine Preise verteilt, klopfen am Deutschen Theater Berlin die Autorentheatertage an die Pforte. Als Sieger fest stehen jetzt schon Dominik Buschs «Das Gelübde» (R: Lily Sykes) über einen Arzt ohne Grenzen, Stefan Hornbachs «Über meine Leiche» (R: Nicolas Charoux), ein Stück über zwei sehr unterschiedliche Todgeweihte, sowie...

Gegenwart total

Jetzt ist die Gegenwart. Alles geschieht jetzt. Aber es ist zu viel, um alles zu verstehen. Das Theater ist die Kunst des Jetzt, die Kunst der Gegenwärtigkeit von Schauspielern und Publikum und die Kunst der Orientierung in der Zeit, damit wir verstehen, wo die Gegenwart in der Geschichte denn steht. Wie kann das Theater uns unsere Gegenwart verständlich machen,...

Auf schmalem Grat

Ein Schulkamerad steckt dem jungen Marcel in Prousts «Suche nach der verlorenen Zeit» mal einen Vers. Racine, sagt dieser Bloch, habe einen Alexandriner geschrieben, der rhythmisch ziemlich gut sei, aber darüber hinaus noch den viel größeren Vorzug besitze, dass er absolut nichts aussage. Und wie lautet dieser Vers? «La fille de Minos et de Pasiphaé» – die Tochter...