Der suggestive Mittelpunkt

Das Buch der Bücher – ein Handbuch der Regiebücher vom Mittelalter bis Frank Castorf

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Der Titel «Das Regiebuch. Zur Lesbarkeit theatraler Produktionsprozesse in Geschichte und Gegenwart» verspricht eine eher abschreckend verschraubte theaterwissenschaftliche Abhandlung, erweist sich aber als ein anregendes, gut lesbares Standardwerk über Regiebücher vom Mittelalter bis in unsere unmittelbare Gegenwart.

Die Beiträge des von Martin Schneider herausgegebenen Kompendiums beschreiben und analysieren das Regiebuch als ein Medium, das mehrere Aspekte hat und Grundlage für die Aufführung ist, sowohl für die Interpretation, die dramaturgische Einrichtung und die Inszenierung auf der Bühne als auch zur Grundlage für deren Reproduzierbarkeit dienen muss. 

Die Beiträge widmen sich schon den Regiebüchern des Mittelalters: beschriftete Pergamentbzw. Papier-Rollen, die für die Aufführung von Passionsspielen benutzt wurden. Es sind Rollenbücher, die keinen Autor haben, in denen die Figuren, deren Gänge, Arrangements oder Liedeinlagen festgehalten sind, damit die Aufführung, die Organisation des Spielablaufs, wiederholt werden kann, oft ergänzt durch Soufflier-Rollen mit den zu sprechenden Texten. 

Aus der Barockzeit sind viele Dramendrucke mit üppigen Paratexten und Anmerkungsappa ...

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Theater heute 1 2023
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Klaus Völker

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