Der brutal stabile Kern
Szene 34 oder 0: Nach der Schlägerei. Zwei junge Menschen liegen vor dem Schuppen und stellen sich vor: Er heißt Moe, sie heißt Leyla, und zwischen ihnen hat es gleich gefunkt. Da stecken Erwartungen drin, behauptet Leyla, in dem Namen, den Eltern einem geben und dem man dann gerecht werden muss. Ihrer kommt von Leila Khaled. Die Terroristin, sagt er. Die Freiheitskämpferin, korrigiert sie.
Leyla führt das Wort. Und ihren neuen Bekannten zum Bahndamm unter den Hochspannungsleitungen.
Von hier aus könnte Moe sie sehen, die farbenfrohen Graffiti in schwindelerregender Höhe auf dem höchsten Kamin eines Fabrikgebäudes – wäre er nicht nacht- und farbenblind. «Luftsch» steht da – weiter sei sie nicht gekommen, sagt Leyla, obwohl «der Große» sie bei den ganz hohen immer auf die Schultern nimmt. Egal. Können vier Buchstaben nicht übertüncht werden, weil man sie eh nur im Kopf ergänzt – «… loss». Auch ein Sieg.
Darja Stockers Debutstück «Nachtblind» beginnt ganz harmlos: Großstadtkids, Liebesgeschichte, aufgeklärte Eltern aus dem altlinken Spektrum, deren Jargon die schlaue Tochter aufgreift und zur Flirtwaffe umbaut. Spröde, witzig und klug. Kein Satz zu viel. Man folgt der Fährte, die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2005
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 166
von Regina Guhl
Die Geschichtenerzähler machen weiter, die Autoindustrie macht weiter, die Arbeiter machen weiter, die Regierungen machen weiter, die Rock’n’Roll-Sänger machen weiter, die Preise machen weiter, das Papier macht weiter‚ die Tiere und Bäume machen weiter, Tag und Nacht machen weiter, der Mond geht auf, die Sonne geht auf, die Augen gehen auf.» Fast dreißig Jahre ist...
… der ausgleichenden Gerechtigkeit, mit der unsere 39 Kritiker in diesem Jahr gleich vier Theater aus Hauptstadt, Nord, Süd und Ost, A- und B-Liga zum Theater des Jahres erkoren. Kopf an Kopf mit je fünf Stimmen laufen ein: Bernd Wilms’ kulturpolitisch heftig umkämpftes und schlussendlich wiedererrungenes Deutsches Theater in Berlin, Frank Baumbauers Münchner...
Soeben hat sich der feine ältere Herr, der aus dem Kaukasus kommt und dessen türkischen Namen sich vorerst niemand merken kann, in Positur gestellt auf der Gartenbank im kleinen grünen Park des Sankt-Gertrauden-Krankenhauses in Berlin. Und auch die anderen nehmen fremde Haltungen an: Der alte Fritz zum Beispiel spielt – na klar! – den «Alten Fritz», und Carmen im...
