Der Anti-Theatermacher

David Barnetts Buch über Rainer Werner Fassbinder

Es ist müßig, wie David Barnett den Nachweis führen zu wollen, dass Rainer Werner Fassbinders Bedeutung als Theaterregisseur ebenso bedeutend gewesen sei wie die als Filmemacher; zumal der englische Theaterwissenschaftler dann noch glaubt, Fassbinders wesentlichen Beitrag zum deutschen Nachkriegsdrama nicht nur in den Stücken selbst nachweisen, sondern auch «in den unorthodoxen Regiestilen, derer er sich bediente», finden zu können.

Tatsächlich ist Fassbinder nur eine marginale Gestalt in der Geschichte des deutschsprachigen Theaters geblieben, wenn auch viele Trittbrettfahrer und Epigonen seines Werks und Wirkens nach seinem Tod in Stadttheatern seinem «tex­tuellen Vermächtnis» Projekte abzugewinnen versuchen. Wenn auch viele seiner Stücke immer wieder aufgeführt werden, sind es doch mehr die Filme Fassbinders und deren Drehbücher, die von Theaterregisseuren für ihre Zwecke adap­tiert werden.

Abgründig und liebevoll

Nur ganz wenige Inszenierungen führen zu einem herausragenden Ergebnis, wie Thomas Os­termeiers Bühnenfassung von «Die Ehe der Maria Braun» 2007 in den Münchner Kammerspielen oder zuletzt Martin Kusejs Inszenierung von «Die bitteren Tränen der Petra von Kant» am ...

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Theater heute Juni 2012
Rubrik: Magazin: Fassbinderforschung, Seite 70
von Klaus Völker

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