Den Mund verbieten
Die Herren nehmen an der Rampe Aufstellung und machen Front: gegen die Konvention der Konversations-Komödie bis zur vollständigen Niederlage kommunikativen Handelns. Der Erlösung, die in Oscar Wildes «Bunbury» aus Jack Worthing doch noch einen Ernst macht und ihn – demaskiert – der Ehe zuführt, verbietet Thirza Bruncken gewissermaßen den Mund. Die Darsteller drücken die Hände vors Gesicht und bringen in dieser Selbstknebelung nur stammelnd Gepresstes hervor. Der Text erscheint oberhalb des Portals auf einem Laufband und trennt somit Sprecher und Sprache.
Letzter Akt der vollständigen Auflösung von Verstehen, Verständigung und Verstand. Die verbindliche Übereinkunft, sich miteinander sinnvoll auszutauschen, und sei es in Floskeln und der Form halber – den Common Sense vertritt snobistisch Lady Bracknell (Eva Spott) –, gerät am Gemeinschaftstheater Krefeld/Mönchengladbach außer Facon.
Es beginnt damit, dass die Identität von Jack (Cornelius Gebert) und seinem Freund Algernon (Paul Steinbach) um ihr Exklusivrecht gebracht wird. Sie haben sich um zwei weitere Anzugträger verdoppelt – gleich gekleidet in Schwarz, mit Melone und roter Krawatte – und damit entseelt, verdinglicht und ...
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Theater heute August/September 2012
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Andreas Wilink
5.8./Sonntag
19.15, 3sat: Abseits der Festspiele.
Salzburg und die Kunst
Ein Film von Peter Beringer
6.8./Montag
20.15, arte: Citizen Kane
Spielfilm (1941) von und mit Orson Welles
8.8./Mittwoch
21.45, arte: Der Weg nach innen:
Hermann Hesse Dokumentation (2012) von Andreas Christoph Schmidt anlässlich des 50. Todestages
15.8./Mittwoch
22.45, arte: Der Knochenmann
Spiel...
Wahrscheinlich wäre Ernst Schumacher einverstanden gewesen, wenn man ihn als «stur» bezeichnet hätte, und zwar in der oberbayerischen Lesart des Begriffs. Also eher hartnäckig und zäh als dogmatisch; eher unbeirrbar und störrisch als ideologisch, wobei es zwischen den semantischen Feldern durchaus Überschneidungen gibt.
Er stammte aus bäuerlich katholischen...
Vormittags um zehn, am 15. Juni, drehen Geheimdienstleute dem Regisseur Bolat Atabayev vor seinem Haus in Almaty die Arme auf den Rücken und zerren ihn, während sich eine empörte Menge ansammelt, in einen Toyota, der ihn ins Untersuchungsgefängnis bringt. Seit Januar hat er Ausreiseverbot, steht seit Wochen unter Hausarrest. Grund dafür ist eine polizeiliche...
