Das Wunder der Rose

Oberhausen Theater: Lucy Kirkwood/Katie Mitchell «Die Schöne und das Biest»

Showtime, Swingtime, Steptime. Gleich könnten Fred Astaire, Ginger Rogers, Cyd Charisse und Gene Kelly hereintänzeln. Dann aber erscheinen ein Mister Pink (Henry Meyer) und eine ballet­töse Madame Cécile (Elisabeth Kopp), die wir lieber Mademoiselle nennen würden, wenn sie mit leichter Hand das Wunder der Rose vollbringt. Um sie her, im Malersaal des Theaters Oberhausen, stehen Requisiten – Schminkspiegel, Schrankkoffer, ein flitternd roter Vorhang – und lassen die Szene als ambulantes Theater auf dem Theater erkennen (Bühne: Christina Mrosek).

Das französische Volksmärchen von der «Schönen und dem Biest», durch Cocteau und Jean Marais in fantastisches Zelluloid-Schwarzweiß verzaubert, wird in der Adaption von Lucy Kirkwood & Katie Mitchell eingefasst von einer Rahmenhandlung, die die nostalgische Spielweise gleichermaßen rechtfertigt wie als obsolet geworden betrauert.

Das Moritaten-Paar, das seine ramponierte, aus dem Leim gegangene Vorstellung schon tausendfach gegeben hat und sich zu den Feenwesen zählt (man könnte auch sagen: zum Fahrenden Volk, zu den Gauklern, den «ein wenig Flüch­tigern noch als wir selbst»), erhält die Kündigung. Zu altmodisch – kein Einsatz von Video. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2014
Rubrik: Chronik, Seite 53
von Andreas Wilink

Weitere Beiträge
Blaue Jungs und Online-Prothesen

Die Euro-Scene Leipzig hat in ihrer 23. Auflage eine sehr europäische Ausgabe ab­geliefert. Nachdem im letzten Jahr der Hauptsponsor abgesprungen war, konnte dank einer Aufstockung der städtischen Förderung das Programm ohne größere Einschränkungen, aber mit deutlich erhöhten Ticketpreisen stattfinden. Der ursprüngliche Fokus des Festivals auf die Avantgarden...

Vorschau

P { margin-bottom: 0.21cm; }Karin Beiers in, um und über Hamburg hinaus sehnsüchtig erwartete Inszenierung von «Die Rasenden» soll endlich kommen. Die Geburt des Abendlands aus einem Atriden-Gemetzel!

Aus dem «bisweilen leeren Raum», einem Lieblingstopos des Theaters, ersteigt Martin Heckmanns neues Stück «Es wird einmal». Das wird ganz bestimmt, nämlich in...

Weichheit als Waffe

Es riecht nach Äpfeln und sieht nach DDR aus im alten Kino im sächsischen Königstein, wo die zweite Doppelpass-Produktion der Landesbühnen Sachsen und der Tanzcompany Bodytalk stattfindet. Im Saal mit seinen grünen Stofftapeten, den ocker-braunen Vorhängen und dem holzbefeuerten Bollerofen scheint die Zeit nicht erst 1989 stehen geblieben zu sein. Anna Viebrock...