Das Verhältnis von Natur und Kultur neu erzählen

Stefanie Wenner, Künstlerin bei apparatus und Professorin für Theatertheorie an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden, hat sich während der Pandemie auf Wanderschaft begeben. Ein Gespräch über Feldforschungen für ein Theater der Zukunft

Eva Behrendt Sie nutzen gerade Ihr Forschungssemester, um möglichst viel durch Deutschland zu wandern, Interviews mit Menschen auf der Strecke zu machen und am Ende ein Buch zu schreiben. Ist das die neue Corona-bedingte Wanderlust, oder haben Sie dabei vor allem Theater im Hinterkopf? 
Stefanie Wenner Ich habe mich jetzt zwei Jahre lang damit befasst, wie Kultur und Agrikultur, also Landwirtschaft, zusammenhängen.

Sowohl in der Lehre an der HfBK Dresden, wo ich Bühnenbildstudent*innen, Theaterausstatter*innen und angehende bildende Künstler*innen unterrichte, als auch in meinen eigenen Kunstprojekten mit apparatus. Noch als Dramaturgin am HAU habe ich das Projekt «Zellen» entwickelt, das zugleich der Anfang der Prinzessinnengärten und des Urban Gardenings in Berlin Kreuzberg war. Seither haben wir u.a. Projekte/Festivals zu Dreck, Pilzen und Ferment Mutterkorn entwickelt und immer versucht, die Grenze zwischen «Kunst» und «Natur» einzureißen. Dabei bin ich von einem erweiterten Theaterbegriff ausgegangen, der Theater als Schau-Raum versteht, in dem etwas wahrnehmbar gemacht wird. 

EB Nach welchen Gesichtspunkten wählen Sie Ihre Route? Machen Sie Pausen oder laufen Sie nonstop? 
W ...

STEFANIE WENNER ist Kuratorin und Dramaturgin, promovierte Philosophin und arbeitet seit 2014 unter dem Label apparatus an besseren Darstellungen von Wirklichkeit mit den Mitteln des Theaters. Zuvor war sie u.a. am Berliner HAU und beim Theaterfestival Impulse engagiert. Seit 2015 ist sie Professorin für Angewandte Theaterwissenschaft und Produktionsdramaturgie an der HfBK Dresden

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2021
Rubrik: Nachhaltigkeit, Seite 14
von

Weitere Beiträge
Der Tod der Drittelbraut

Da ist dieses Tattoo auf dem Rücken einer Toten, das eher ein Gemälde sich rankender Pflanzen zu sein scheint. Dann diese Technoszene und eine Menge Drogen, verbunden mit dem seltsamen Gefühl, am nächsten Tag nicht zu wissen, was in der Nacht zuvor los war. Das mit dem Vergessen funktioniert zwar auch mit Rotwein, ist aber längst nicht so sexy wie ein Absturz mit...

Die Rache des unterdrückten Ichs

Larissa ist eines dieser typischen Provinzmädchen, die nach Berlin kommen, um ihr Glück zu finden. Das macht sie aber nicht zur Nachfahrin des «kunstseidenen Mädchens». Während Irmgard Keuns Heldin ein Glanz werden möchte, will die Heldin von Rebekka Kricheldorf das Gegenteil: keine Karriere als Schauspielerin und schon gar nicht Muse in der Low-Budget-Produktion...

Wollsocken für die Front

Wie deutsche Bürger zu Nazis wurden, meinen wir zu wissen, aber in Belgien sieht es mit Aufarbeitung verbrecherischer Vergangenheit etwas anders aus, wie man auch den unkritisch kolonialen Königsskulpturen mit dankbaren Sklaven zu Füßen im ganzen Land immer noch ablesen kann. Nach der Auseinandersetzung mit den belgischen Massakern im Kongo hat sich Luk Perceval im...