Das unmögliche Kino
Wolfram Lotz will das Unmögliche: Er will nicht sterben, er will aufgehoben sein in der Welt, er will die Welt mit der Sprache erfassen. Weil er das alles will, will er auch ein unmögliches Theater. Lotz' Strategie der formalen Überforderung des Theaters ist die Konsequenz seiner inhaltlichen Überforderung, nicht umgekehrt. Die formale Überforderung kommt daher als kühne Herausforderung, als Reiz, als attraktiver Wahnsinn. Die inhaltliche Überforderung dagegen balanciert auf dem Grat zwischen sentimentaler Banalität und esoterischem Tiefsinn.
Sätze wie «Die Liebe ist da, damit man, wenn man nicht in der Welt aufgehoben ist, dann in einem anderen aufgehoben ist» sind nur erträglich, wenn sie in einem Rahmen gesprochen werden, der ihre schlichte Wahrheit sowohl beglaubigt als auch zerstört.
Bisher gab es zwei Versuche des Theaters, mit Lotz’ Stück fertig zu werden: einen schlicht auf das Machbare zusammengestrichenen Stückumsetzungsversuch in Weimar, also eine Kapitulation vor der Forderung nach dem Unmöglichen, und im Akademietheater Wien einen groß angelegten Versuch, die Leistungsfähigkeit der Theatermaschinerie zu beweisen, eine Art Gegenangriff des möglichen Theaters.
Die ...
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Theater heute März 2013
Rubrik: Chronik: Dortmund Schauspielhaus, Seite 47
von Gerhard Preußer
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