Vor den Vätern erben die Töchter

Barbara-David Brüesch inszeniert in Stuttgart die deutsche Erstaufführung der «Heuschrecken»

Dieser Krieg der Generationen ist schon entschieden. Gewinnerin ist die zehnjährige Alegra, die ihre Familie so unter der Fuchtel hat, dass sie nach Opas Tod direkt die Wohnung erbt und die Eltern nun quasi bei ihr wohnen. Solche Gewinner zu hassen ist freilich leichter, als diesen Hass so zu formulieren wie Biljana Srbljanovic: «Es ist vielleicht wirklich nicht nett von mir, so oft zu wiederholen, dass das Mädchen widerlich ist», heißt es in einer der Regieanweisungen, deren lakonisch-distanzierte Komik sich zunächst nur dem Leser von Srbljanovics Stück erschließt.

Im Kammertheater des Stuttgarter Staatsschauspiels jedenfalls sieht man bei der deutschen Erstaufführung von «Heuschrecken» vor allem die Betonung von Alegras Widerlichkeit: Altersgerecht besetzt, spielt die kleine Marie Laws das intrigant-zickige Engelsgesicht, das unter Anleitung seiner dumm-gierigen Mutter Dada (Lisa Wildmann) seine ganze Umgebung zu Untergebenen macht, so stimmig nervend, dass man sich um die Jungdarstellerin glatt Sorgen machen könnte. 

Dem Rest des Ensembles dürfte nicht nur aus professioneller Routine die Distanz zu den Figuren leichter fallen, setzt doch die Regie von Barbara-David Brüesch auf ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2006
Rubrik: Das Stück, Seite 43
von Andreas Jüttner

Vergriffen