Ende der Entfremdung

Sergi Belbels digitale Telefonkomödie «Mobil» in Hannover und Potsdam

Die Mobiltelefonie hat nicht nur Orthopäden in Gestalt überbeinartiger Daumenauswüchse, Folge exzessiven Gebrauchs des Fingers beim Eintippen von Telefonnummern und beim Verfassen von SMS, ein neues Betätigungsfeld eröffnet. Sie hat auch die Soziologen auf den Plan gerufen, die sich der «Daumenkultur» unter kommunikationstheoretischen Aspekten annehmen.

Ein gleichnamiger Reader war das letzte Werk des 2005 verstorbenen Peter Glotz, und da das Forschungsvorhaben von T-Mobile gesponsert wurde, war es vielleicht nicht allzu erstaunlich, dass die darin versammelten Wissenschaftler der Landplage ständiger Erreichbarkeit höchst freundliche Seiten abzugewinnen wussten. Gipfelnd in einem euphorischen Exkurs des ungarischen Philosophen Kristof Nyri unter dem Titel «Das Mobiltelefon als Rückkehr zu nichtentfremdeter Kommunikation».

Das mag den Laien wundern: Unbestreitbar ist die Kommunikation übers Handy ja eine körperlose, und in gewisser Weise sogar eine ortlose. Wo sich der Gesprächspartner befindet, ist dem Anrufenden im Mobilnetz unklar («Wo steckst du gerade?»). Nichts begünstigt den Seitensprung mehr. Nyri dagegen beglückt die Spontaneität des Gesprächs, die das Handy ermöglicht, ...

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Theater heute Dezember 2006
Rubrik: Das Stück, Seite 44
von Barbara Burckhardt

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