Das reicht doch nicht!
Engel steigen zu uns herab. Zu einem Drum-Loop, über den sich bald schon die melancholischen Synthesizerklänge von «Streets of Philadelphia» schmiegen, schweben die Akrobaten vom Bühnenhimmel. Einer von ihnen, der mit der regenbogenbunten Glitzerhose und beeindruckend ausdefinierten Rückenmuskulatur, ist Fabian Hinrichs. Kaum hat er sich seines Fluggeschirrs entledigt, greift er lächelnd zum Mikrofon: «Wo sind wir hier? In einem Raum, der zu eng ist oder zu groß für unsere Liebe. Es ist nicht unsere Schuld, dass uns die Liebe nicht gelingt.
» Und während die Akrobaten elegante Räder schlagen oder sich langsam in den Handstand drücken, hüpft Hinrichs fröhlich wie ein junger Gott über die Bühne und verpasst dem Springsteen-Song neue Lyrics: «Ich bin die Straße hinuntergegangen, an den Reihenhäusern vorbei …», und später: «Es reicht uns nicht, es reicht uns nicht. Es fehlt etwas.»
Was nicht zu leben ist, fliegt raus
Das alles erzählt sich wenig spektakulär, aber: Es fängt spitze an. Dass hier fünf Minuten reinsten Theaterglücks entstehen, liegt wahrscheinlich nicht nur am flüssig-lässigen Zusammenspiel von Text und Musik und Bewegung im Raum, sondern an etwas, was man zu diesem ...
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Theater heute März 2012
Rubrik: Aufführungen, Seite 32
von Eva Behrendt
Gelächter gleich in der ersten Minute. Eine Horde drolliger Insassen von irgendwas lümmelt auf Kinderstühlen, getriezt von einer ruppig-patenten Kommandeuse in Schuluniform und Pumuckl-Perücke – nicht gerade das, worauf man bei Sarah Kane gefasst ist. Und doch hat dieser mutwillig-regressive Schabernack, den Johan Simons da auf fast leerer Bühne der Münchner...
Nach Europa, heißt es für die einen, in dessen besseren, reichen Teil für die anderen. Flucht, Migration, Asyl und legale Einwanderung sind Begriffe, mit denen Politik gemacht wird. Insbesondere seit die EU-Regel gilt, dass der Staat, der zuerst betreten wird, sich um den Notzugang von außen zu kümmern hat. Griechenland, Italien und Spanien sind damit nicht nur...
Das Thalia Theater hatte mich gebeten, für Helmut Schmidt ein Stück zu spielen. Ganz privat, in seinem Haus in Langenhorn. «Welches Stück? In was für einem Raum?», fragte ich. «Eines von deinen Solo-Programmen. In seinem Wohnzimmer. Dreißig Minuten Zeit für die Einrichtung.» Gut, dachte ich, dann machen wir «Amerika» von Kafka.
Das Vorhaben schien unwirklich, doch...
