Das Private ist politisch!
Es muss eine unbezähmbare Sehnsucht nach Repräsentation gewesen sein, die den Regie führenden Intendanten Stephan Märki antrieb, Schillers Trauerspiel in ein (falsch verstandenes) Schleef-Korsett zu pressen. Mancher Verpflichtung war da ja gerecht zu werden: Weimar, die Klassikerstadt, Ort der Uraufführung, dazu die Dimension des Hauses, auch wenn das nicht unwiderruflich nach dem Einsatz von Mikroports verlangt.
Sollte neuerliche Erfahrung dazu gekommen sein, dass der Einzelne – nur Schaum auf der Welle im Sog der Weltläufe – auch auf der Bühne als handelnder, strebender oder unterliegender Charakter nicht mehr in Erscheinung zu treten habe?
Das Trauerspiel als Sprechoper, da bleibt nicht mehr als der Schatten der Maria. Die weit geöffnete Bühne ganz in Schwarz, schmale weiße Soffiten schließen sich gelegentlich zum Gitter oder zur Barriere. Ganz in Schwarz auch die Damen und Herren des Ensembles – unter ihnen sechs Bürger/innen aus Weimar –, aufgeteilt in zwei Sprechergruppen. Links die Burschen, rechts die Mädel: Sieben Damen agieren als Amme Kennedy; den zwölf Herren, auch mal in Zweier- oder Dreierteams auftretend, kommen sämtliche männlichen Parts zu. Ob Mortimers glühendes ...
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Titelgebende Tiere sind in beiden Stücken, bei Ibsen ist es eine Wildente, bei Grillparzer das gehörnte goldene Fell eines Widders, geopfert wird bei beiden, geliebt, geschlachtet. In einem Stück sind die Menschen so irrsinnig dicht in ihren Lebenslügen verstrickt, dass der Ausweg nur noch in einem Zerschneiden des Knotens, im Tod, liegen kann, im andern sind es...
Das Thema im sich erinnernden Kopfe hin und her wendend, ist mir schließlich eingefallen, dass ich mit einem meiner Irrtümer anfangen sollte. 1973 inszenierte Klaus Michael Grüber am (mitbestimmten) Schauspiel Frankfurt Brechts Frühwerk «Im Dickicht der Städte». Auf der großen Bühne hatte Eduardo Arroyo hunderte von Schuhen, ausgelatschten, aufschütten lassen. Am...
Nur 47 Minuten und 23 Sekunden dauert Thomas Palzers Feature über die Elektrifizierung des Wissens, und wenn man nach dem Hören den erstaunt geöffneten Mund wieder zuklappt, dann weiß man, dass man eine verdichtete Informationsmenge aufgenommen hat, die die eines normalen Features in der Standardlänge von 54:30 bei weitem übertrifft. Zeit also, das eigene...
