Das Melodram
Wenn irgendwo Stummfilme, womöglich mit Live-Musik, gezeigt werden, ist zumeist für ein ausverkauftes Haus gesorgt. Dabei hat der Tonfilm diese Spezies schon längst abgelöst. In der cineastischen Vorstufe lässt sich indes über die besondere Ästhetik hinaus erkennen, aus welchen Konstellationen sich der Nachfolger entwickelt hat und wie eng seine Charakteristik mit jener Ahnenversion verbunden ist.
Dem Melodram, ein Nebenfach des Theaters und mehr oder weniger auch ein Vorläufer des großen Unterhaltungskinos, ist es ähnlich ergangen, nur wird es, anders als der Stummfilm, heute kaum noch aufgeführt. Dabei war dieser hochdramatische Sprechgesang im 19. Jahrhundert ungemein populär, wenngleich in Deutschland nicht so stark wie etwa in Frankreich, England oder den USA, wo Sarah Bernhardt oder Charles Kean damit glänzten. Nun versucht Corinna Kirchhoff, seit ihrem Debüt an der Berliner Schaubühne als Meisterin der leisen Töne und nuancierten Personenzeichnungen bekannt, eine Wiederbelebung dieser nahezu verschwundenen Gattung. Warum?
Wahrscheinlich ist es «die Grenzgängerei durch die Nähe zur Musik», erklärt sie, die ihr Interesse geweckt hat. Und die Lust, bewegte, deftige, kräftig ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Lieber, lieber, sehr verehrter Frank Castorf, bitte machen Sie doch einmal in Ihrem Leben eine Inszenierung, die nicht über zweieinhalb Stunden dauert. Ich schwöre Ihnen: Es würde meine Lieblingsinszenierung des Jahrzehnts, mindestens, denn dass Sie eigentlich ein wunderbarer Regisseur sind, das ist Ihrem fünfstündigen «Hofmeister» von und nach J.M.R. Lenz im...
In der U-Bahn würde einem dieser Typ nicht auffallen. Nicht besonders groß, nicht besonders schlank, weder schön noch hässlich, in Jeans und T-Shirt. Wild schlägt und hackt dieser Durchschnittstyp in die Luft, bevor er sich einem Holzklotz zuwendet und ihn so zum Bersten bringt, dass die Splitter ins Publikum fliegen. Die Eingangsszene des ins Nichts dreschenden...
Das Stück ist eine Irritation. Vor zwei Jahren hatte es seine Uraufführung in Kopenhagen, und schon damals muss es wie aus der Zeit gefallen gewirkt haben. Ein Eindruck, der nun, bei der deutschsprachigen Erstaufführung, noch stärker ist. Alexander Nerlich inszenierte Dejan Dukovskis «Leere Stadt» im Marstall-Theater des Bayerischen Staatsschauspiels in München,...
