Das Melodram
Wenn irgendwo Stummfilme, womöglich mit Live-Musik, gezeigt werden, ist zumeist für ein ausverkauftes Haus gesorgt. Dabei hat der Tonfilm diese Spezies schon längst abgelöst. In der cineastischen Vorstufe lässt sich indes über die besondere Ästhetik hinaus erkennen, aus welchen Konstellationen sich der Nachfolger entwickelt hat und wie eng seine Charakteristik mit jener Ahnenversion verbunden ist.
Dem Melodram, ein Nebenfach des Theaters und mehr oder weniger auch ein Vorläufer des großen Unterhaltungskinos, ist es ähnlich ergangen, nur wird es, anders als der Stummfilm, heute kaum noch aufgeführt. Dabei war dieser hochdramatische Sprechgesang im 19. Jahrhundert ungemein populär, wenngleich in Deutschland nicht so stark wie etwa in Frankreich, England oder den USA, wo Sarah Bernhardt oder Charles Kean damit glänzten. Nun versucht Corinna Kirchhoff, seit ihrem Debüt an der Berliner Schaubühne als Meisterin der leisen Töne und nuancierten Personenzeichnungen bekannt, eine Wiederbelebung dieser nahezu verschwundenen Gattung. Warum?
Wahrscheinlich ist es «die Grenzgängerei durch die Nähe zur Musik», erklärt sie, die ihr Interesse geweckt hat. Und die Lust, bewegte, deftige, kräftig ...
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