Das Leben macht schlechte Witze

In Chemnitz bringt Dieter Boyer Iwan Wyrypajews illusionsloses Liebesstück «Illusionen» sehr nah ans Publikum (der vollständige Stückabdruck liegt diesem Heft bei

Theater heute - Logo

Da kommt zum Beispiel der Ehemann nach Hause: «Die Schlafzimmertür war zu, an der Tür war mit Reißzwecken ein Zettel befestigt, da stand mit Bleistift drauf: ‹Mein Lieber, ehe du ins Zimmer gehst, mach dir bewusst, dass ich mich dort aufgehängt habe. Margret.›»
Das Leben macht schlechte Witze, und die Liebe ist dann meist nur noch ein letztes verklungenes Wort. Ein Leben kann ewig dauern, doch die Liebe und ihr Ende ereignen sich in nur winzigen Augenblicken.

Das Leben ist pure und nicht zu ändernde Wahrheit, aber in der Liebe lässt sich mit der Lüge und der Täuschung spielen. Doch aus dem Spiel wird Ernst. Und dann kommt man nichtsahnend nach Hause und findet an der Schlafzimmertür einen Zettel, mit Reißzwecken befestigt: «‹Mein Lieber› ... Albert öffnete die Tür zum Zimmer. Dort hing an einem Strick Margret. Sie war tot.»


Die Unbeständigkeit der Liebe


Wenn die vier Personen aus Iwan Wyrypajews jüngstem Stück «Illusionen» an dieser Stelle angelangt sind, verordnet ihnen der Text erst einmal eine «Pause». Die haben sie da auch bitter nötig, denn der Schock, so lakonisch erzählt er sich anschleicht, sitzt tief. Und so ratlos sie der angekün­digte Tod auch macht, so hilflos reagieren ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Dezember 2011
Rubrik: AUFFÜHRUNGEN, Seite 22
von Bernd Noack

Weitere Beiträge
In zärtlicher Gleichgültigkeit

Eine Herbstreise durch die Romane inszenierende Theaterlandschaft könnte endlos dauern. Tatsächlich ist ja, seit Frank Castorf irgendwann Mitte der 1990er Jahre anfing, schwere Russen-Romane oder feuilletonistische Zeitgeist­ergüsse in exaltierte Bühnenwelten zu verwandeln, aus dem interessanten Sonder- ein dramaturgischer Normalfall geworden. Ein Paradox befeuert...

Das Leben in seiner aufrecht gebeugten Form

Franz Wille Wenn man im dritten Jahr seiner ersten Intendanz freiwillig nicht verlängert, ist irgend­etwas nicht ganz glücklich gelaufen. Was genau?

Sebastian Hartmann Wo fängt man da an? Die größte Schwierigkeit lag darin, gemeinsam mit der Leipziger Politik in die Zukunft zu schauen. Einerseits die fehlende inhaltliche Kommunika­tion, die Frage, was ein Theater...

Tschüss, Prenzlauer-Berg-Museum!

TH Die Nachricht von Ihrem Wechsel nach Stuttgart zur Spielzeit 2013/14 hat uns überrascht. Schließlich haben Sie erst vor zwei Jahren bis 2016 am Maxim Gorki Theater verlängert. Was sagt denn Klaus Wowereit zu Ihrer Entscheidung?
Armin Petras Er hat im Pluralis Majestatis gesagt: «Wir wünschen ihm alles Gute.» Ein großer Staatsmann. Da hat er mich wirklich...