Das Gesetz der Wiederholung

Noah Haidle «Smokefall» (DE)

Nach Westen! Dieser Ruf hallt seit den ersten Siedlern verheißungsvoll in die Weiten der USA, das Glück liegt auf der Straße – und die führt stets an einen anderen Ort. Auch «Smokefall», das neue Stück des US-amerikanischen Theater- und Drehbuchautors Noah Haidle, ist durchweht von der Sehnsucht nach dem Unbekannten, sein Schauplatz aber ändert sich nicht: ein Einfamilienhaus in Grand Rapids, Michigan. Denn die Landkarten des 21. Jahrhundert verzeichnen keine weißen Flecken mehr, alles Wissbare ist gesammelt und jede Erfahrung schon einmal gemacht.

In dieser erschlossenen, geschlossenen Welt werden die Nachgeborenen zu Wiedergängern, die ins gemachte Nest der bereits geschriebenen (Familien-) Geschichte fallen. Bei der deutschsprachigen Erstaufführung am Staats­theater Kassel durch Hausherr Thomas Bockelmann wirkt schon das Bühnenbild lähmend bekannt: Ein Wohnzimmer mit dunkler Brokattapete, Haus- und Küchentür, ein paar Stufen führen zu den Schlafzimmern hinauf.

Im vergangenen Jahr hat Bockelmann Haidles «Lucky Happiness Golden Express» uraufgeführt, auch dies ein Familiendrama um einen abwesenden Vater. In «Smokefall» deckt die mit Zwillingen schwangere Violet an einem ganz ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2015
Rubrik: Chronik Kassel, Seite 56
von Esther Boldt

Vergriffen
Weitere Beiträge
Die Alsterboys und das Elend mit dem Spaß

Eigentlich sind Anekdoten von ersten Theatererlebnissen in Schauspieler-Porträts eher albern. Aber bei Daniel Lommatzsch passt es leider wie die Faust aufs Auge. Als 15-jähriger Gymnasiast aus dem Hamburger Nobelvorort Othmarschen musste er mit seiner Schule zu «König Lear» ins Thalia, inszeniert von Jürgen Flimm. Und warum hat es ihm so gut gefallen, dass er...

Kein Entkommen

«Liquidation», erschienen 2003, der letzte der großen Romane von Imre Kertész, auch wenn er in der Buchausgabe nur 142 Seiten umfasst, enthält Teile eines Theaterstücks. Dieses Stück ist die wich­tigste Hinterlassenschaft von B., einem «Schrift­gelehrten», wie es einmal heißt, der sich im Jahr 1999 in Budapest das Leben genommen hat. Eigentlich aber ist das Stück...

Die mit dem Wolf tanzen

Im Schummerlicht erobern Indianer die leere Zuschauertribüne, während wir auf dem Bühnenboden sitzen und gebannt zuschauen. Nebelschwaden ziehen durch den Raum. Wie ist es dazu gekommen?

Eigentlich hat alles ganz harmlos begonnen – mit einem Vortrag über eine Reise in die verlore­nen Dörfer am Rande der Braunkohletagebau-Gebiete der ostsächsischen Lausitz. Fünf...