Das ernsthafteste aller Spiele

Peter Handke «Zdeněk Adamec. Eine Szene»

Eine weiträumige Szene, mit Öffnungen nach allen Seiten», ein unbestimmbarer Ort. Vielleicht in der spanischen Provinz Avila, vielleicht in Humpolec in Böhmen. «Zeit: jetzt oder sonstwann». Passanten, einzeln und in Grüppchen, sich nach und nach zerstreuend. «Doch nein: einige von uns sind auf dem Plan geblieben, einer mehr vorn, eine andere eher im Hintergrund, wieder andere da, dort, rechts, links, im Licht, im Schatten, im Abstand zueinander, einzeln, ein jeder für sich». Es wird Abend, dann Nacht. Mit dieser Stimmungslandschaft beginnt Peter Handkes neues Stück.

Alles ist leicht zu Beginn, flüchtig, kaum hingeschrieben, schon wieder zurückgenommen: «wenn überhaupt», «oder auch nicht», «wer weiß von wem». Die Spieler, «fünf, sechs, sieben, acht, so viele, wie das Spiel, das unsrige, nötig haben wird», fangen an zu reden. Eine Alltagsgeschichte von der Begegnung mit einer Klofrau, der verballhornte Refrain eines Popsongs. Sprache als Spiel und Verwirrspiel, trotzdem mit Regeln. «Weniger Nebensätze!», sagt eine. «Keine Interpretation! So war’s doch ausgemacht für unser Spiel», moniert ein anderer.

Im Zentrum des Gesprächs steht ein Drama, das bereits stattgefunden hat: Im März ...

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Theater heute Jahrbuch 2020
Rubrik: Neue Stücke, Seite 144
von Bernd Isele

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