Das Anthropophagische Theater
Plötzlich stand da ein Bild von ihm an einer der belebtesten Straßenkreuzungen im Zentrum von Sao Paulo: als Plakatwand der Erinnerung. Und an einem der Wohnhäuser hing über viele Stockwerke ein Banner herab – «Obrigado Zé Celso!» stand darauf, als Dank für das Theaterleben, das da gerade zu Ende gegangen war. Zé Celso Martinez Correa, geboren am 30. Juli 1937 in Araraquara, einer kleinen Stadt zweieinhalb Autostunden nördlich von Sao Paulo im gleichnamigen Bundesstaat gelegen, überlebte die schweren Verbrennungen, die er bei einem Zimmerbrand erlitten hatte, nur um zwei Tage.
Und das «Teatro Oficina» nahm Abschied mit einem Fest, einer Totenfeier, wie sie wohl nur möglich war an diesem Ort: voll von Tanz, Musik und Gesang wie im Karneval, und zugleich voll von Tränen und Trauer. Die weltweit verstreute Fan-Gemeinde des Theaters wie des Theatergeistes, der lebenslang hier herrschte, war per Live-Übertragung im Netz dabei. Exakt einen Monat zuvor war das auch schon so gewesen – Zé Celso und Marcelo Drummond, Partner schon seit vier Jahrzehnten, hatten geheiratet und ein mindestens genauso rauschendes Fest feiern können, unterstützt durch Spenden, die auch aus Deutschland kamen.
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Theater heute Oktober 2023
Rubrik: Nachruf, Seite 46
von Michael Laages
Wie davon erzählen, vom vermeintlichen Ankommen als Arbeitsmigrant:innen-Kind im bundesdeutschen Wohlstandswesten? Vom sich Heraufschwingen in den Kronleuchter der Wunschexistenz, die doch immer gefährdet und prekär bleibt? Von den Erinnerungen an die dauergestresste Mutter, die von Niedriglohnjob zu Niedriglohnjob hetzen musste, nie Zeit für sich hatte, das Kind...
Gleich sieben Mal stirbt die Schauspielerin in diesem Stück. Schon in der ersten Szene wird sie beim Grenzübergang aus der Ukraine von einer Gruppe Flüchtender erschlagen, die ihr ihre Mitwirkung in genau den russischen Fernsehserien verübeln, die sie selber früher begeistert konsumiert haben. Dass eine Flüchtende aus Butscha mit besonderer Wut auf die...
Vorhang auf!» Unter diesem Titel läuft im Rupertinum, schräg vis-à-vis von den Festspielhäusern, derzeit eine Ausstellung mit Theaterfotografien von Ruth Walz, die von 1976 bis 1990 Hausfotografin der Schaubühne war. Der Schwerpunkt der Schau (bis 12. November) liegt naheliegenderweise auf Aufführungen der Salzburger Festspiele, wo Walz in den vergangenen 30 Jahren...
