Rahel ist süß

Grillparzer «Die Jüdin von Toledo», Neil LaBute «lieber schön»

Amour fou im mittelalterlichen Spanien: Der erotisch wenig versierte, durch lange Ehe abenteuerlustig gewordene König Alfonso VIII. trifft auf ein unschuldiges und zugleich ganz schön kokettes Mädchen, die junge Jüdin Rahel. Obwohl der König eigentlich jede Menge zu tun hat – es droht Krieg gegen die Mauren –, zieht er sich mit ihr auf sein Lustschloss zurück. Als er sich dann endlich wieder den Staatsgeschäften zuwendet, ist es für die Geliebte schon zu spät: Die Königin hat bereits ihren Tod
beschlossen.



«Die Jüdin von Toledo» ist, nach «Das goldene Vließ» (2004), Stephan Kimmigs zweite Grillparzer-Inszenierung am Burgtheater, und zunächst sieht es so aus, als wollte er das Stück mit dem schweren Regiehammer auseinandernehmen. Das Einheitsbühnenbild (Katja Haß) stellt einen modernen Gerichtssaal (mit viel hellem Holz und dem obligaten Kruzifix an der Wand) dar, und bevor das Stück losgeht, hält Hauptdarsteller Peter Jordan vor der Videoprojektion eines Alpenpanoramas noch ein kleines Impulsreferat zum Thema «Heimat» (Quelle: ein Text von Jörg Haider!).

Zwar ist die politische Dimension des Stücks tatsächlich nicht zu übersehen: Unter anderem wird am Ende aus Staatsräson eine ...

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Theater heute November 2010
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Wolfgang Kralicek

Vergriffen