Der hohle Mann

Shakespeare «Richard III.»

Die Inszenierung hatte ihr Handicap: In Stuttgart fiel kurz vor der Premiere Thomas Lawinky aus, und der eigentlich mehr vom Fernsehen her bekannte junge Marek Harloff sprang ein. In dieser kurzen Zeit kann niemand zu Richard III. werden, und sie reicht wohl gerade einmal dazu aus, den Text zu beherrschen. Harloff stand die drei Stunden tapfer durch. Über seinen Richard, irgendwo angesiedelt zwischen beleidigtem Muttersöhnchen und unmotiviertem Macker, musste man aber hinwegsehen.

Erkennbar bleibt nur das Chaos eines völlig unausgegorenen Konzepts.

So, wie bei Shakespeare Richard gnadenlos über Leichen zum Gipfel der Macht stürmt, treibt Borgmann seine Schauspieler schutzlos durch ein Gestrüpp ab­strakt-absurder Einfälle. Da wird gebrüllt und geflüstert, gemeuchelt und auferstanden, rollen­getauscht und viel Zeit verblödelt. Die Welt ist eine Drehscheibe, die symbolschwer kippt und wippt. Vielleicht, weil sich alles in einem «Wackelstaat» abspielt?

So blinkten die Lampen, färbte wabernd blutrot sich die Szene, und Richards Leichen schauten auf der Videoleinwand zu, wie man ihnen die Augen schließt. Nach seinem Pferd japst der König schließlich nackt und vollgekleistert mit ...

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Theater heute November 2014
Rubrik: Chronik Stuttgart, Seite 58
von Bernd Noack