Mama und die Musketiere

Victor Hugo «Lucretia Borgia»

Es gab Zeiten, in denen die Päpste nicht so hoch im Ansehen standen wie der jüngst verstorbene Johannes Paul II., gefeiert als größter Held der Pope-Kultur. Alexander VI. zum Beispiel, 1492 durch Bestechung an die Macht gekommen, Liebhaber von Orgien und Vater mehrerer Kinder, ging vor allem durch den von ihm schamlos betriebenen Sittenverfall und Nepotismus in die Annalen der römischen Kurie ein. Noch schlechter als der Ruf dieses Papstes ist der seiner Tochter Lucretia Borgia, die eine ausgewiesene Schönheit gewesen sein soll, aber auch ein ausgesprochenes Miststück.

Bis heute gilt sie als die berühmteste Giftmischerin der Renaissance, auch wenn viele Geschichts­exegeten ihr miserables Image auf die erfolgreiche Propaganda der Borgia-Gegner zurückführen.
Der schönen Lucretia wird nicht nur ein Verhältnis mit dem eigenen Vater, sondern auch Inzest mit ihren beiden Brüdern nachgesagt. Aus einer dieser Beziehungen soll ein Kind hervorgegangen sein, das die junge Mutter weggeben musste. Wie Lucretia ihren Sohn nach zwanzig Jahren wieder aufstöbert, ohne sich jedoch vor ihm zu erkennen zu geben, wie ihre Muttergefühle sie umtreiben und in Konflikt mit ihrer öffentlichen Rolle bringen, ...

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Theater heute Mai 2005
Rubrik: Chronik, Seite 39
von Christine Dössel

Vergriffen