Lustige Schieflage

Arne Sierens «Die Brüder B.»

Sie möblieren sich ihre Verzweif­lung mit einer gemütlichen, pott­häss­li­chen Eckcouch-Garnitur, tänzeln am Abgrund ihrer Existenz verzwei­felt leichtfüßig wie Hochseil-Akrobaten, sie bewältigen ihre (im Knast) abgesessene Vergangenheit im Schluckspecht-Tempo und betrügen sich mit grellen Wunschvorstellungen um ihre Zukunft – sie sind überhaupt ein paar ganz tolle Hechte, diese «Brüder B.», samt Omi im Anti-Aging-Wahn und dem abgehalfterten Papi, dem keine Bierdose und kein Geschwätz blechern genug sein kann.

Eine wahrhaft schrecklich nette Familie, der nur eines fehlt: ein guter Autor.
Was der flämische Schriftsteller Arne Sierens aus diesem Stoff, aus dem gemeinhin die gesellschaftlichen Alp­träume sind, für die Bühne gemacht, ist näm­lich nur ein harmlos voyeuris­ti­scher Blick in die Hinterzimmer des aso­zialen Wohnungsbaus oder eine reich­­lich hochnäsige Freilegung der Un­­­ter­schich­ten, wie sie einem das gleich­­namige Fernsehen präsentiert. Ein paar zusam­mengeschusterte Dialoge lang macht sich Sierens lustig über die schiere Ausweglosigkeit dieser Typen, die den Anschluss an die Wirklichkeit längst verpasst haben und im Zug nach Nirgendwo nun arbeits- und antriebslos auf ...

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Theater heute Juli 2006
Rubrik: Chronik, Seite 48
von Bernd Noack

Vergriffen