Neurosen sprießen

Schiller «Die Räuber», Arnolt Bronnen «Vatermord»

«Sterben ist etwas mehr als Harlekins Sprung» (Schiller). Aber Sterben will ja auch keiner. Also Harlekins Sprung! So dürfte es sich Junghausregisseur Martin Laberenz gesagt haben, ehe er sich erstmals auf die Große Bühne des Centraltheaters schwang, um dort «Die Räuber» Purzelbäume schlagen zu lassen.

Wie in Persiflagen von Mel Brooks wird bei ihm ein Schiller für Bescheidwisser durchturnt: in historischen, aber gern heruntergelassenen Kostümen, vor mehreren hübsch bemalten, doch bald weggerissenen Bühnenvorhängen (von Susanne Münzer), angereichert mit zügig herbeizitierten und blitzschnell vergessenen Halbweisheiten eines Daniel Kehlmann oder eines Marquis de Sade.

Es sind Stilmittel der Castorfschen Volksbühne aus den 1990er Jahren, aus denen Laberenz seinen Abend mixt. Aber er tut es nicht ohne Leidenschaft und keineswegs ohne szenische Erfindungskraft. Wieso sollten Theatersprachen auch ein Verfallsdatum haben? Was die Last der Epigonalität anbelangt, die rollt die Inszenierung höchst selbstbewusst schon von allein hin und her. Marina Frenks Amalia borgt sich ihre Femme-fatale-Identität aus einem Song von Velvet Underground, ehe sie Vater Moor (als Komikautomat: ...

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Theater heute November 2010
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Christian Rakow

Vergriffen