In der Propagandafalle

Soeren Voima nach Rolf Thiele «Das Mädchen Rosemarie»

Wenn der Schluss nicht wäre, das Urteil über Milan Peschels Adaption der Geschichte vom «Mädchen Rosemarie» fiele verdammt eindeutig aus. Peschel greift sich den Mythos der westdeutschen Linken und erzählt nach einem Text von Soeren Voima sehr simpel die Geschichte einer Prostituierten als Parabel auf das böse Nachkriegs­westdeutschland. Das Foyer des Hotels «Frankfurter Hof» ist auf der Bühne nachgebaut als eine Mischung aus Mad-Men-Set und Volksbühnen-Epigonentum: mit Drehtür, Piano, Nierentisch, großer Freitreppe und Container-Set im Obergeschoss (Bühne: Moritz Müller).

Hier treffen sich hinter blauen Vorhängen, David Lynchs «Blue Velvet» überdeutlich zitierend, finstere Wirtschaftsbosse im Isoliermatten-Kartell. Und planen, na was wohl, die atomare Wiederbewaffnung der BRD natürlich. Grobkörnige Videoaufnahmen dringen nach draußen, wenn sich der fette Präsident (Andreas Schlager) zwischen den Sitzungen mal eben vom Mädchen Rosemarie einen blasen lässt. Juliane Fisch spielt die Edelprostituierte als mysteriöse blonde Film-noir-Heldin, die diese korrupte Welt sehr gut verstanden hat, sich selbst zur Marke macht und zu ständig steigenden Preisen nach oben schläft.

Geschäftssitz ist ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juli 2014
Rubrik: Chronik: Hannover, Seite 53
von Alexander Kohlmann