Herbstsonate

Tschechow «Die Möwe» (Schauspielhaus)

«Wir brauchen neue Formen!», fordert der Dramatiker-Rebell Kostja, bevor er die Debütantin Nina auf die improvisierte Seebühne schickt, um sie seinen sperrig verstiegenen Monolog sprechen zu lassen. Das Düsseldorfer Schauspielhaus ist gezwungen, nach neuen Formen zu suchen, die sich zunächst auf räumliche Verhältnisse beziehen. Das Große Haus am Gründgens-Platz wird saniert; in der Zwischenzeit wandert man dorthin, wo ohnehin Mobilität Usus ist: in Hauptbahnhofsnähe.

In der alten Paketpost zwischen Gleisanlagen und Bus-Terminal wurden schon Probebühne und Studiospielstätte eingerichtet. Jetzt lässt sich im «Central» auch groß Theater spielen. Zum Auftakt: Tschechows «Möwe». «Ohne Theater geht es nicht», sagt Sorin, Bruder der Arkadina, die zur Sommerfrische heimkehrt aufs Land.

Ein blauer Vorhang trennt Zuschauer­podium und Bühnenbereich: Öffnet er sich, wird eine von Lichtschneisen schraffierte leere Spielfläche sichtbar, die zusammen mit der Tribüne das Rechteck des mächtig schwarzen Raumkartons bildet. Die Aufführung strapaziert die Theatermetapher. Ständig wird der Vorhang auf der Drehbühne auf- oder zugezogen; im letzten Akt ist er dann beiseite gelegt und zusammengerollt. ...

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Theater heute November 2010
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Andreas Wilink

Vergriffen