Berlin: Maxim Gorki Theater (Studio), Schaubühne

Gott ist groß: Juri Sternburg «Der Penner ist jetzt schon wieder woanders» (U), Marius von Mayenburg «Märtyrer» (U)

Der Waldorf-Schüler, Ex-Barkeeper und Auto-Didakt Juri Sternburg, Berliner vom Jg. 1983, hat sich in einem Interview einmal einen «sinnsuchenden Alles- und Nichtskönner» genannt. Unter dieses Label könnten vermutlich auch Andrej und Igor schlüpfen, zwei merkwürdig vage zwischen Fick dich! und Shakespeare changierende Junkies, die ihre Sinnsucherfragen an keinen Geringeren als Gott höchstpersönlich richten. Der nämlich sitzt plötzlich zwischen ihnen in der U-Bahn, nachdem sie gerade jeden, der ihnen durchs Abteil lief, abgestochen, stranguliert oder totgeschlagen hatten.

Der Splatter-Trip zum Dealer im Bahnhof Friedrichstraße versucht sich dabei eine Weile in «Li­nie 1»-Nachfolge an einer eher schlichten Berliner Typen-Parade mit ökobewusstem Intellektuellen, schweigender Nazi-Oma, schwarzem Sprayer mit biografisch verstörter Ost-Herkunft, nervendem Touristenpärchen und einem Polizisten. Macht sechs Leichen – und mit viel Gelaber und einiger sadistischer Quälerei schon das halbe Stück.

Und dann kommt Gott. Liest Conan Doyle und kann den «Clockwork Orange»-Jungs auch nicht erklären, warum Igor «auf diesem Planeten etwas verschoben verkommt, als hätte man mir eine 3D-Brille schief ...

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Theater heute April 2012
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Barbara Burckhardt