In der Einfalts-Endlosschleife

Mark Ravenhill «Freedom and Democracy I hate you» (Berliner Ensemble)

Die Bühne ist ein Blendax-weißer Kasten, nach hinten flachstufig ansteigend: Sieht super aus, erst recht im Kontrast zum altgolden Neurokoko des Saals. Und, um es gleich zu sagen, der aseptische Leer-Raum von Johannes Schütz ist das Beste an der Peymann-Inszenierung «Freedom and Democracy I hate you» von Mark Ravenhill im Berliner Ensemble.

Der jugendkultig unübersetzt gelassene, wahnsinnig provokant gemeinte Hass-Titel überschreibt eine Folge von 17 Kurzszenen.

Verfasst im Auftrag der Tageszeitung «The Guardian» (Schlagzeile: «Ravenhill for Breakfast»), dann einzeln uraufgeführt beim Edinburgh-Fringe 2007. Es geht in diesen Kleinigkeiten,
jede hochtrabend benannt nach einem Text der Weltliteratur (Brecht, Tolstoi, Dostojewski, Euripides), ganz klar ums ganz Große: um Barbarei und Zivilisation, um Gut und Böse. Und das ist allemal Sache von Claus Peymann, dem selbsternannten letzten Mohikaner des politischen Theaters im vermeintlich stockreaktionär kriegerischen Brutalkapitalismus.

Wohl ähnlich schillert das Selbstbild von Ravenhill. Der sieht sich vom Schreiber drastisch tragödischer Sozialreißer («Shoppen und Ficken») empor gedichtet zum Autor eines bedeutungstiefen Großbildes, das ...

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Theater heute November 2010
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Reinhard Wengierek

Vergriffen