Die zwölf Apostel

Monique Schwitter lädt zum Abendmahl der Geliebten: «Eins im Andern»

Eines mehr oder eher weniger inspirationsarmen Arbeitsabends googelt die Ich-Erzählerin in Monique Schwitters Roman «Eins im Andern» ihre Jugendliebe. Die Trefferliste provoziert einen existenziellen Schock: Der Junge namens Petrus, mit dem die notorische Pumps-Trägerin zwanzig Jahre zuvor in geborgten Seehundstiefeln tiefwinterliche Silvesterlandschaften durchmessen (und dezidiert zeichenfreudig die Kirche des Heiligen Christophorus aufgesucht) hatte, hat sich vor geraumer Zeit aus dem achten Stock in den Tod gestürzt.

Und weil die Ich-Erzählerin Autorin ist und auch ansonsten ziemlich viel mit Schwitter herself teilt, gerinnt dieser Schock zur Initialzündung für ihren neuen Roman: Um, wie sie nicht ganz pathosfrei bekennt, das Wesen der Liebe zu ergründen (vor allem in ihrem absterbenden Sta­dium), schreibt die Anfangsvierzigerin reflektierend noch einmal sämtliche Männer herbei, die bis dato in ihrem (Beziehungs-)Leben wichtige Rollen spiel(t)en. Dass selbige die Namen der zwölf Apostel tragen, erweist sich beim Lesen glücklicherweise als weniger konstruiert und inhaltsdominant denn befürchtet.

Denn Jakob hin, Thomas her: Bei näherer Betrachtung enttarnt sich «die Liebe» – ...

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Theater heute Dezember 2015
Rubrik: Bücher, Seite 62
von Christine Wahl