Die CIA lässt (nicht) grüßen

Bernd Stegemann kämpft gegen die Avantgarden

Bernd Stegemanns «Lob des Realismus» ist eine ausgedehnte Polemik gegen eine Hydra, die viele Köpfe hat: die «Avantgarden», angefangen mit Malevitsch und Duchamp, die abstrakten Expressionisten, etwa Jackson Pollock, John Cage, die «zähen Nebel des Relativismus und der Kontingenz», vor allem aber das, worin seiner Darstellung zufolge das verhängnisvolle 20. Jahrhundert gipfelte, «die Postmoderne».

Sie wird in diesem Buch in etwa als das beschrieben, was den Nationalsozialisten die «jüdisch-bolschewistische Kulturvergiftung» und den Stalinisten der «Formalismus» war: Mit dem neoliberalen Kapitalismus im Bunde hält dieses Ungeheuer die Menschen davon ab, sich mit den Widersprüchen ihrer sozialen Realität zu beschäftigen.

Den Avantgarden des 20. Jahrhunderts wird in Stegemanns Buch deshalb im Namen des 19. Jahrhunderts mehr oder weniger pauschal und unisono der Kampf angesagt. Und man ahnt nur, woher der Furor herrühren könnte, die blinde Wut, mit der Stegemann gegen einen immer neu in größtmöglicher Pauschalisierung zum Hauptfeind erkorenen Gegner aus Theorie und Künsten ins Feld zieht: Es scheint ihm im ganzen Buch um nichts anderes als um eine Verteidigung des traditionellen ...

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Theater heute Dezember 2015
Rubrik: Bücher, Seite 55
von Nikolaus Müller-Schöll