«Klaus ist ein schöner Mensch»

Grübers zentrale Frage, so Ivan Nagel in seiner Laudatio zur Verleihung des Konrad-Wolf-Preises im Jahr 2000, sei eben nicht die Suche nach einem konsistenten Welt­entwurf, einem geschlossenen ästhetischen Stil oder einem psycho­logischen System gewesen: «Grübers Frage kehrt alles um: Ist die Aufgabe der Kunst nicht, Lücken zu erzeugen, Löcher zu reißen in die Routine des Denkens und des Lebens, in jene komplette Welt der Erklärungen und Gemein­plätze, die wir uns kreieren, um die wahre Welt zu verfälschen, erträglich und benutzbar zu machen?»Am 23. Juni starb Klaus Michael Grüber (* 4. 6. 1941), wenige Tage nachdem er seine Proben an Salvatore Sciarrinos «Luci mie traditrici» bei den Salzburger Festspielen abbrechen und seiner Mitarbeiterin Ellen Hammer über- lassen musste. Grüber hatte in den Sechzigern bei Giorgio Strehler assistiert, war 1969 von Kurt Hübner ans Bremer Theater geholt worden und hatte ab 1972 als Vertrauter und Gegenpol von Peter Stein die Schaubühne am Halleschen Ufer, später am Lehniner Platz entscheidend geprägt. Auf den folgenden Seiten ein Nachruf von Henning Rischbieter und zwei Gespräche, die Klaus Dermutz Monate vor Grübers Tod mit Bruno Ganz und Peter Stein geführt hat.

Klaus Dermutz Herr Ganz, können Sie sich noch erinnern, was Sie empfanden, als Sie Klaus Michael Grüber zum ersten Mal trafen? 

Bruno Ganz Ich weiß gar nicht mehr, welche Begegnung wirklich die erste mit Klaus war. Vermutlich habe ich ihn zum ersten Mal auf der Bühne als Darsteller in Bremen gesehen. Ich erinnere mich an einen Lichtkegel, der auf einen kleinen Sandhaufen fiel. Auf dem Sandhaufen saß ein bärtiger, erwachsener Mann. Das war Klaus Michael Grüber. Er inszenierte in Bremen «Sturm».

Das war tatsächlich mein erster Eindruck, weil ich dieses Bild nie vergessen habe. Die nächsten Erinnerungen mit Klaus sind privater Natur. Ich erinnere mich an den Lago Maggiore, wo seine damalige Lebensgefährtin ein größeres Anwesen bewohnen durfte. Einer ihrer Vorfahren war ein Nuntius in Deutschland. Dieser Verwandte hatte eine kleine Residenz, die im Familienbesitz geblieben ist. Ich kam plötzlich mit den luxuriö­sesten Seiten von Klaus in Berührung, ich erinnere da einen offenen Jaguar. Klaus war auf eine distanzierte, aber doch faszinierte Art recht empfänglich für diese Welt, für gediegenen Luxus. Klaus konnte in einem wunderbaren Sinn etwas Dandyhaftes haben. Das sind meine ...

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Theater heute August/September 2008
Rubrik: Klaus Michael Grüber (1941–2008), Seite 38
von Klaus Dermutz

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