Der Gebrauch des Menschen

Große Sozialoper oder Marionettentheater: Andrea Breth und Dieter Giesing inszenieren Simon Stephens «Motortown» in Wien und Bochum

Für die einen ist Krieg ein Job, mit dem sich ein Bruchteil des Geldes, das man nie erben wird, verdienen lässt. Für die anderen ist er ein Skandal, eine ethische Katastrophe, ein Verbrechen an der Menschlichkeit, in der Praxis ausgeübt von Leuten, die mehr oder weniger von Natur aus Dumpfbacken oder Sadisten sind. Oder, wie es der Waffenverschärfer Paul aus Simon Stephens «Motortown» (vgl. Stückabdruck Th 1/07) in vollendetem Selbsthass formuliert: «Sie sind dumm. Sie sind kurzsichtig. Sie sind gewalttätig. Sie sind die meiste Zeit betrunken. Die hören Scheißmusik.

Sie tragen Scheißklamotten. Sie erzählen Scheißwitze. Die meisten sind Rassisten, und das ganze Pack ist homophob. (…) Sie täten besser daran, in ihren Löchern zu bleiben und sich gegenseitig zu ficken. Und sich gegenseitig umzubringen.» Ein selffulfilling prophecy, wenigstens teilweise.
 

Gebrauchsanweisung aus Basra

Noch in derselben Szene tötet der aus dem Irakkrieg heimgekehrte Soldat Danny Pauls frühreife Geliebte, die 14-jährige Schulabbrecherin Jade. Bevor er dem schwarzen Mädchen vier Kugeln in die Brust jagt, hat er ihr die Art von blöden Fragen gestellt, mit denen ältere Brüder ihre kleinen Schwestern ärgern. ...

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Theater heute März 2008
Rubrik: Aufführungen, Seite 26
von Eva Behrendt

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