Bret Easton Ellis: «American Psycho»

Aber natürlich sollen die Theater, also wir, jetzt etwas zur Bankenkrise machen! Endlich mal ein Thema, bei dem man weiß, dass es die Zuschauer auch dann noch beschäftigt, wenn der Apparat endlich angeworfen ist und in ein paar Monaten die ersten Ergebnisse ausspuckt. Zumal ja gerne gesagt wird, man wisse nicht genau, bei wem die Krise wann und wie heftig ankommen würde, bei manchen schneller, bei manchen langsamer. Beim Theater kommt sie doch hoffentlich zu allerletzt an, oder? Dann hätten wir noch etwas Zeit.


Die eine Möglichkeit, die leider eine praktische Unmöglichkeit ist, wäre natürlich, dass René Pollesch seine Stücke zum Nachspielen freigeben würde. Der Turbodichter des Turbokapitalismus war in den letzten Jahren der einzige, der einem mit seinen Texten Lust auf Volks- und Betriebswirtschaft gemacht hat. Allein welche Titel man da ausgraben könnte! «Die Interessen der Firma können nicht die Interessen sein, die Heidi Hoh hat»; «Freedom, Beauty, Truth & Love – Das revolutionäre Unternehmen»; «Wann kann ich endlich in einen Supermarkt gehn und kaufen was ich brauche allein mit meinem guten Aussehen?»; «Solidarität ist Selbstmord»; «Liebe ist kälter als das Kapital»; «Die Welt ...

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Theater heute Dezember 2008
Rubrik: Finanzmarkt Spezial, Seite 11
von Roland Koberg

Vergriffen
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