Braunschweig: Träume selbst!

Arthur Schnitzler «Traumnovelle»

Theater heute - Logo

Oft kennen Männer keine Hemmung, wenn der sexuelle Überdruck zu groß wird; sie scheuen dann selbst vor ungeheuren, monströsen, fürchterlichen Dingen nicht zurück. Ab Mitte der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts (und in entlegeneren Gegenden bis in dieses hinein) stand als Triebabfuhrstation eine ziemlich übel beleumundete Institution zur Verfügung: die Peep Show. Männer schauten darin nackten Frauen (zuweilen auch Paaren) zu, die sich auf rotierenden Podesten räkelten; vor diesem Bild aber ging je nach Münz-Einwurf eine Sichtblende runter oder wieder rauf.

Kommerzieller und unerotischer war die Beschwörung von Sex eigentlich nie.

Inzwischen ist die klassische Peep Show ausgestorben – die junge Regisseurin Rieke Süßkow aber, frisch diplomiert an der Theaterakademie in Hamburg, erfindet sie neu für ein formal recht spektakuläres Projekt am Staatstheater in Braunschweig. Dort gibt es im Kleinen Haus das «Aqua­rium», früher eine Probebühne, heute ein leerer Raum über dem Eingangsfoyer. Hier also nehmen nun pro Vorstellung 30 Gäste Platz wie in der Peep Show selig: jeder (und jede) für sich und mit sich allein, in einer Art Mönchszelle oder Beichtstuhl mit Blick in den Innenraum – ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2019
Rubrik: Chronik, Seite 64
von Michael Laages

Weitere Beiträge
Düsseldorf: Migrantenweltdrama

Am Anfang ist scheinbar noch alles in Ordnung: ein detailgetreu nachgebautes Zimmer einer Arbeiterwohnung im New York der 50er Jahre. Damals gab es in den USA schon, was uns heute umtreibt: illegale Einwanderung. Und am Ende hat dieses Problem die ganze falsche Ordnung aufgelöst. Von der tristen Ordnung zum schönen Chaos, von Realismus zu abstrakter Symbolik, das...

Im Prozess der Sprache

Corinne Orlowski Wie sind Sie mit Schleef in Berührung gekommen?

Ulrich Rasche Ich habe viele Inszenierungen von Schleef gesehen: «Wessis in Weimar» am Berliner Ensemble, «Salome» in Düsseldorf, das «Sportstück» und «Verratenes Volk» in Berlin; aber auch die anderen Inszenierungen kenne ich aus dem Archiv über Susan Todd. Und ich habe Schleef einmal persönlich...

Gegen die Wand

Es gibt wenige zeitgenössische Texte, deren Theatertauglichkeit so wenig augenfällig ist wie Maggie Nelsons «Bluets»: ein schmaler, 2009 erschienener Band, der auf 100 Seiten 240 Prosaminiaturen versammelt, die man als Liebeserklärung an die Farbe Blau lesen kann, mal zögernd, mal drängend, immer mäandernd, tastend. Ein schöner, kluger, streckenweise brüllend...