Braunschweig: Träume selbst!
Oft kennen Männer keine Hemmung, wenn der sexuelle Überdruck zu groß wird; sie scheuen dann selbst vor ungeheuren, monströsen, fürchterlichen Dingen nicht zurück. Ab Mitte der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts (und in entlegeneren Gegenden bis in dieses hinein) stand als Triebabfuhrstation eine ziemlich übel beleumundete Institution zur Verfügung: die Peep Show. Männer schauten darin nackten Frauen (zuweilen auch Paaren) zu, die sich auf rotierenden Podesten räkelten; vor diesem Bild aber ging je nach Münz-Einwurf eine Sichtblende runter oder wieder rauf.
Kommerzieller und unerotischer war die Beschwörung von Sex eigentlich nie.
Inzwischen ist die klassische Peep Show ausgestorben – die junge Regisseurin Rieke Süßkow aber, frisch diplomiert an der Theaterakademie in Hamburg, erfindet sie neu für ein formal recht spektakuläres Projekt am Staatstheater in Braunschweig. Dort gibt es im Kleinen Haus das «Aquarium», früher eine Probebühne, heute ein leerer Raum über dem Eingangsfoyer. Hier also nehmen nun pro Vorstellung 30 Gäste Platz wie in der Peep Show selig: jeder (und jede) für sich und mit sich allein, in einer Art Mönchszelle oder Beichtstuhl mit Blick in den Innenraum – ...
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Theater heute Mai 2019
Rubrik: Chronik, Seite 64
von Michael Laages
Andreas Scheuers aktuelle altbacken-sexistische Werbekampagne für mehr Sicherheit im Straßenverkehr, in der sich halbnackte Frauen mit plumpen Fahrradhelmen wohlig räkeln, hätte prima ins Bühnenbild in den Nürnberger Kammerspielen gepasst. Zur Einstimmung auf Petra Hulovás Stück «Eine kurze Geschichte der Bewegung» flimmern da nämlich auch im Hintergrund einige...
Vor einigen Wochen schien erstmals Bewegung in den Prozess gegen Kirill Serebrennikov gekommen zu sein (s. auch TH 12/18), der wegen absurder Betrugsvorwürfe seit August 2017 im Hausarrest sitzt: Die zuständige Richterin Natalja Akkuratova hatte eine erneute unabhängige Rechnungsprüfung in Auftrag gegeben, da ihr das vom Ermittlungskomitee der Russischen...
Wer das Glück hatte mit Geesche Wartemann zu arbeiten, der konnte ihre Begeisterungsfähigkeit erleben, ihre Leidenschaft für das Theater, für dessen Zuschauer, insbesondere wenn diese Zuschauer Kinder waren. Zu erleben war aber auch die Ernsthaftigkeit, mit der sie ihre Überzeugungen vertrat. Sie redete nichts schön. Ohne Angst sich angreifbar zu machen, nahm sie...
