Braunschweig: Träume selbst!
Oft kennen Männer keine Hemmung, wenn der sexuelle Überdruck zu groß wird; sie scheuen dann selbst vor ungeheuren, monströsen, fürchterlichen Dingen nicht zurück. Ab Mitte der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts (und in entlegeneren Gegenden bis in dieses hinein) stand als Triebabfuhrstation eine ziemlich übel beleumundete Institution zur Verfügung: die Peep Show. Männer schauten darin nackten Frauen (zuweilen auch Paaren) zu, die sich auf rotierenden Podesten räkelten; vor diesem Bild aber ging je nach Münz-Einwurf eine Sichtblende runter oder wieder rauf.
Kommerzieller und unerotischer war die Beschwörung von Sex eigentlich nie.
Inzwischen ist die klassische Peep Show ausgestorben – die junge Regisseurin Rieke Süßkow aber, frisch diplomiert an der Theaterakademie in Hamburg, erfindet sie neu für ein formal recht spektakuläres Projekt am Staatstheater in Braunschweig. Dort gibt es im Kleinen Haus das «Aquarium», früher eine Probebühne, heute ein leerer Raum über dem Eingangsfoyer. Hier also nehmen nun pro Vorstellung 30 Gäste Platz wie in der Peep Show selig: jeder (und jede) für sich und mit sich allein, in einer Art Mönchszelle oder Beichtstuhl mit Blick in den Innenraum – ...
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Theater heute Mai 2019
Rubrik: Chronik, Seite 64
von Michael Laages
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