Gegenwart total

Kay Voges schreitet in Dortmund zur «Borderline-Prozession» im Megastore, und Tugsal Mogul diagnostiziert im Studio den «Goldenen Schnitt»

Jetzt ist die Gegenwart. Alles geschieht jetzt. Aber es ist zu viel, um alles zu verstehen. Das Theater ist die Kunst des Jetzt, die Kunst der Gegenwärtigkeit von Schauspielern und Publikum und die Kunst der Orientierung in der Zeit, damit wir verstehen, wo die Gegenwart in der Geschichte denn steht. Wie kann das Theater uns unsere Gegenwart verständlich machen, ohne ihre grundsätzliche und neuartige Unverständlichkeit zu unterschlagen? Das Dortmunder Schauspiel hat eine Antwort: «Es gibt nichts zu verstehen. Aber viel zu erleben. Wie im Leben.» Der flotte Spruch übertreibt.

In Kay Voges’ Groß-Projekt «Die Borderline-Prozession» gibt es vieles zu verstehen, so viel, dass man gar nicht aufhören kann, verstehen zu wollen.

Live-Regie: Kay Voges

Mit diesem Projekt setzt Kay Voges seine Versuche, das Verhältnis des Theaters zu den technischen Medien neu zu bestimmen («Nachrichten aus dem All», «Hamlet», «Das goldene Zeitalter», «Die DIE-Show») fort und steigert die inszenatorische und gedankliche Komplexität. Diesmal steht ihm die große Halle des «Mega­store» im Stadtteil Hörde zur Verfügung, die Ausweichspielstätte während der Renovierung des Schauspielhauses. In diesen leeren Raum ...

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Theater heute Juni 2016
Rubrik: Aufführungen, Seite 22
von Gerhard Preußer