Böser Spuk

Elfriede Jelinek «Wolke 3»

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Die disparaten Textfragmente der großen Potentaten der deutschen Geistesgeschichte (Novalis, Kleist, Fichte, Hegel und Heidegger), die Elfriede Jelinek in «Wolken.Heim» zu einem unheimlichen, zeit- und ortlosen Identitätsdiskurs verschmolzen hat, irritieren immer noch. Auch 17 Jahre nach der Uraufführung befremdet diese hymnisch nationalistische Selbstbeschwörung, die auf der Ausgrenzung alles Fremden beruht, zumal auch noch Zitate der RAF-Häftlinge in den Text eingelassen sind.

Ihrer Abrechnung mit deutschen Identitätsmythen ließ die Autorin kürzlich eine zeitgemäße Fortsetzung folgen, zu der sie laut eigener Aussage die Streiks bei Opel angeregt hätten: Für Peymanns jüngste Inszenierung von «Wolken. Heim» am Berliner Ensemble hat sie so etwas wie einen Epilog unter dem Titel «Und dann nach Hause» verfasst, in dem die neoliberale Weltsicht zu Wort kommt. Ernst M. Binder hat ihn als eigenständigen Text unter dem Titel «Wolke 3» in einer Koproduktion mit dem dramagraz im Rahmenprogramm der Mülheimer Theatertage auf die Bühne gebracht. 

Wie in «Wolken.Heim» wird auch in «Wolke 3» jeder Begriff, jede Selbstvergewisserung tautologisch leer geschleudert. In entsemantisierenden ...

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Theater heute Juli 2005
Rubrik: Chronik, Seite 37
von Natalie Bloch

Vergriffen
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