Berlin: Tod in der Mikrowelle

nach David Foster Wallace «Unendlicher Spaß»

«Warum schweigen Sie denn die ganze Zeit?», fragt die Prüfungskommission der Universität Arizona den 18-jährigen Hal Incandenza mit wachsender Ungeduld. Offensichtlich hat der hochbegabte Tennisnachwuchs nicht nur ein ernst zu nehmendes Kommunikationsproblem, auch Selbst- und Fremdwahrnehmung driften auseinander: «Ich bin hier drin. Ich bin nicht, was Sie sehen.»

In David Foster Wallace legendärem «Unendlichen Spaß», der auf 1.

410 Romanseiten plus 388 Anmerkungen nicht hält, was der Titel verspricht, mündet diese erste Szene (erzählchronologisch eigentlich die letzte) in stationärem Gewahrsam. Hals Nervenzusammenbruch fördert erste Bewusstseinssplitter an eine Erzähloberfläche, die sich in Rückblenden zu einem beeindruckenden Panorama beschädigter Menschen auffächert. Dabei erweist sich die US-amerikanische Kulturindustrie der 1990er Jahre, die Wallace in die Zukunft denkt und in ihre satirische Überspitzung, als solides Fundament für ein zutiefst unglückliches, weil komplett sinnentleertes Leben. 

Die darunter leidenden Menschen seziert Wallace in drei Handlungssträngen unerbittlich, aber mit absurdem Humor: Der Nachwuchs arbeitet sich am Leistungsdruck der Enfield Tennis ...

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Theater heute Mai 2018
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Anja Quickert

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