Berlin: Ein einziger Witz
«Ich habe dieses Buch schneller als irgendein anderes geschrieben: & es ist ein einziger Witz; & doch heiter & schnell lesbar, glaube ich; Ferien eines Schriftstellers», schrieb Virginia Woolf im März 1928 in ihr Tagebuch, kurz nachdem sie «Orlando» beendet hatte. Ein einziger Witz – diese Formulierung könnte auch Katie Mitchell in ihrer Inszenierung an der Berliner Schaubühne geleitet haben, wenngleich das viele Männer und Frauen starke Bühnenteam während der Vorstellung alles andere als Ferien hat.
Vor über zehn Jahren entwickelte Mitchell an einem anderen Woolf-Roman («The Waves») ihre Methode des auf dem Theater verfertigten Live-Films, um seither Prosa von und über Frauen zumeist sehr elegisch nachzuerzählen. Mit «Orlando» wechselt sie überraschend die Tonart und fächert seine rund 300 Jahre umspannende Biografie als kunterbunten Bilderreigen auf. Selbst den sonst strikten Verzicht auf vorproduziertes Material durchbrechen Landschaftsaufnahmen oder eingeschmuggelte Videos von schmelzenden Gletschern und Brexit-Demos.
Mit «Orlando» setzte Virginia Woolf ihrer jüngeren Freundin und Geliebten, der hochadligen Dichterin Vita Sackville-West, ein fiktiv biografisches Denkmal, in ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Oktober 2019
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Eva Behrendt
Irgendwo im Tschetschenien des Jahres 1995, irgendwo in der blinden Wut des Kriegs haben General Alexander Orlow und drei Mittäter ein Dorfmädchen brutal geschändet. Diese Vergewaltigung mit Todesfolge bildet die Kernszene in dem jüngsten Roman von Nino Haratischwili. Von hier aus wirft die georgisch-stämmige Autorin ihre Erzählung weit vor und zurück, in ein...
Aalen, Theater der Stadt
13. Hippe, Bam! Ich bin glücklich!
R. Winfried Tobias
19. Garofalo, Warte nicht auf den Marlboro Man
R. Jonathan Giele
Altenburg Gera, THeater
11. Idle und Du Prez, Monty Python’s Spamalot
R. Manuel Kressin
Annaberg, Eduard-von-Winterstein-Theater
6. Sayer, Shields und Lewis, Wird schon schiefgehen
R. Matthias Nagatis
Augsburg, Theater
3. Berg,...
Orhan Pamuk war nicht da. Dabei hätte ihm das meiste von dem, was es hier zu bestaunen gab, sicher gefallen: diese nützlichen und weniger nützlichen objets trouvés, die Liebesgeschichten, die sich aus den Gegenständen herausschälten, der Nippeskram – er hätte all das sehr gut gebrauchen können für sein Istanbuler «Museum der Unschuld». Wobei das mit der Unschuld...
