Berlin: Das deutsche Haus

Oliver Frljic «Gorki – Alternative für Deutschland?»

Eigentlich war für diesen Abend eine echte Gemeinheit geplant: Zur solidarischen Frauenak­tion sollten Zuschauerinnen auf die Bühne gebe­ten werden, um ohne Ansage und händchenhaltend Teil eines Reenactments des perfiden #125- Dezibel-Videos zu werden, in dem hübsche, junge, weiße Frauen in #MeToo-Pose darum flehen, die Grenzen dichtzumachen, damit sie endlich nicht mehr vergewaltigt werden.

 

Die Szene ist offenbar bei der Generalprobe gestrichen worden, die Schauspielerinnen teilen das in ihrem Gorki-Bashing zu Beginn als weiteren Beleg des völlig unzulänglichen Repräsentationsverhältnisses an ihrem Theater mit. Das funktioniere nicht mal bei der Frauengleichstellung, geschweige denn bei der Widerspiegelung der faktischen Bevölkerungsanteile! Da gibt es in Berlin nämlich nur 27,7 Prozent Migrationshintergrund, am Gorki sind es 75 Prozent! Deshalb kann der Quoten-Ossi Till Wonka mit genau demselben Recht beleidigt sein wie der «Quoten-Neger» Falilou Seck, den man doch endlich auch mal als den Enkel eines Nazi-Großvaters wahrnehmen könnte, der er nämlich auch ist.

Ja, es geht ziemlich durcheinander mit den Zuschreibungen auf dieser Erde, und mit rechts und links, PC und AfD ist es ...

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Theater heute Mai 2018
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Barbara Burckhardt

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