Basel: Männer ins Museum!
Vergessen Sie den Kampf der Geschlechter. Hat ja lange gedauert, hat Kraft genug gekostet. Erst diese ganze Body-Aufrüstung im Kraftraum, am Schminktisch. Dann der Cyberwar auf Tinder, die Real-Life-Rückschläge. Dazu diese missverständlichen Verbalscharmützel beim ersten Rendez-vous, das Risiko des technischen Versagens an der Bettkante, allfälliges Tappen in die Beziehungsfalle und urplötzlich die Meldung: Mission failed, Schwangerschaftstest positiv. Schon droht Familie, und das bedeutet: offener Ehekrieg. So war das früher, also heute.
Doch jetzt überbringt Sibylle Berg dem Theaterpublikum gute Nachrichten aus der Zukunft. Das Zweigeschlechterzeitalter gilt als überwunden, es war halt doch kein evolutionärer Endzustand. Kinder, also Töchter, kommen aus dem Kühlschrank. Für weibliche Instant-Orgasmen gibt es einen dienstbaren Avatar, der lässt sich nebenher konsumieren, etwa so wie schöne Musik. Lysistrata und ihre Mitstreiterinnen, die einst bei Aristophanes der Kriegssucht der Athener und Spartaner mit einer Sexblockade ein Ende setzten, wären stolz auf diese Lösung.
Vom Mann sind in Sibylle Bergs Sci-Fi-Lustspiel «In den Gärten oder Lysistrata 2» nurmehr Museumsstücke übrig, ...
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Theater heute Januar 2020
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Stephan Reuter
Eine Sextherapie gegen Rassismus: «Slave Play» wirkt auf den ersten Blick ziemlich abgedreht. Doch vielleicht zeichnen sich gute Ideen genau dadurch aus, dass sie anfangs befremden und am Ende den Eindruck hinterlassen, dass sie eigentlich ziemlich naheliegend waren. In dem Stück des dreißigjährigen Autors Jeremy O. Harris, das Anfang Oktober am Broadway Premiere...
Zu Beginn eine Szene, die an die US-Serie «True Detective» erinnert: Taschenlampen erhellen den dunklen Bühnenraum, geben den Blick frei auf eine unheimlich drapierte Frauenleiche. Eindeutig ein Ritualmord: ausgeweidet wie ein Tier, mit einem Hirschgeweih auf dem Kopf und Runenzeichen am nackten Körper. «Fesseln, Stiche, Folter, nirgends Blut», stellen die beiden...
Im Anfang ist da nur dieses eine Wort. Klingt natürlich im Englischen viel charmanter, und noch charmanter klingt es, wenn es aus dem Munde eines echten Gentleman herausströmt wie ein Stück Sahnecremetorte. Und genau so ist auch der Auftritt von Sir Henry zu Beginn von «Howl» in der Volksbühne Berlin: Im eleganten Anzug, auf dem Haupt einen schicken schwarzen Hut,...
