Sphinx, Monstrum und mehr

In Paris macht Isabelle Huppert aus Heiner Müllers «Quartett» in der Regie von Robert Wilson ein aufregend beklemmendes Schauspiel

Vorsicht Nahkampf, was man hört, klingt nach Lebensgefahr. Zisch, ein Pfeil wurde abgeschossen. Wumm, er fand den Weg ins Ziel. Und wieder zisch und wieder wumm, dann ein Ritsch und ein Ratsch, etwas zerriss, muss wehtun. Schritte hallen, Vögel kreischen, Kröten quaken, Bestien fauchen, ganz klar, hier hat sich jemand am Tonrepertoire des Gruselfilms bereichert. Aber wozu?

Manchmal wünscht man, im Saal des Pariser Odéon sitzend, das nach langer Renovierungsschließung eben wieder eröffnet wurde, die redselige Tonspur möchte nur so eben zwischendurch auch mal die Klappe halten.

Wider besseres Wissen allerdings, denn wenn sich die große Robert-Wilson-Maschine erst einmal in Bewegung gesetzt hat, dann läuft sie erbarmungslos weiter und immer weiter. – Nichts gegen Getümmel in einem Stück, dessen Protagonisten sich selbst als Raubkatzen erfahren und feiern, Merteuil und Valmont, die zwei Veteranen der Ausschweifung, die Heiner Müller in «Quartett» ein letztes Mal in liebender Mordlust aufeinanderhetzt. Tatsächlich hat Wilson die Realisierung dieses unziemlichen Sediments von Action den Geräuschmachern aber nur anvertraut, damit die Figuren auf der Bühne umso gemessener ihrem ...

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Theater heute Dezember 2006
Rubrik: Ausland Paris, Seite 32
von Dorothee Hammerstein

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