Auch Shakespeare war mal New Writing

Das Londoner Globe glaubt an die Verbindung von elisabethanischem Raum und heutigen Autoren. Wovon die Autoren einiges lernen können!

Seit das Londoner Globe Theatre 1997 von der Queen mit royalem Strahlen eröffnet wurde, hat man es als Touristenfalle, als Akademikerspielplatz, als den demokratischsten Theaterraum Englands und vieles mehr bezeichnet, doch bei einem sind sich alle einig: Jeder verbindet mit dem Globe Shakespeare, Shakespeare und nochmal Shakespeare. Der ist natürlich auch unangefochtener Hausautor, aber schon unter dem ersten Intendanten Mark Rylance öffnete sich der Spielplan ab und an für Shakespeares Zeitgenossen wie Marlowe, Fletcher oder Middleton.

Und in Rylances zehnjähriger Amtszeit tauchten sporadisch auch neue Stücke auf – bescheidene drei an der Zahl, allesamt leicht exzentrische Bearbeitungen antiker Stoffe von Peter Oswald, die unter «ferner liefen» liefen.

Als Dominic Dromgoole das Globe 2006 übernahm, setzte er gleich in seiner ersten Spielzeit Zeichen zur Trendwende: zwei von sechs Produk­tionen waren neue Stücke, «In Extremis», eine «Abelard und Heloise»-Bearbeitung von Howard Brenton, und Simon Bents historisch-politisches Piratenstück «Under the Black Flag». Die erste öffentliche Reaktion war eine Mischung aus Unverständnis und Gratulation zu so viel Mut an Shakespeare’s Globe – ...

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Theater heute Dezember 2014
Rubrik: Ausland, Seite 38
von Patricia Benecke