Von Menschen und Mythen

Volker Lösch gräbt sich mit Peter Stripps Roman «Rote Erde» im Grillo Theater Essen durch den Wandel der Arbeitsverhältnisse im Ruhrgebiet

Ein Dutzend junger Männer lagert auf gestreiften Sonnenstühlen. In Hawaiihemden und T-Shirts, mit Tattoos und Piercings, Pferdeschwanz und Kurzhaarfrisuren, muskelbepackt und untrainiert – auf den ersten Blick scheint sie außer dem Alter wenig zu verbinden. Hinter ihnen ragt haushoch eine knallgrüne Efeuwand empor, mehr Gefängnis als Garten, Vögel zwitschern vom Band (Bühne: Carola Reuther). Dann beginnt das Sprechen.

Eindrucksvoll synchron, mal drei-, vier- oder fünfstimmig, mal kurz bei einem Einzelnen verharrend (Chorleitung: Bernd Freytag), und wir erfahren, dass es sich um Arbeitssuchende aus der Region handelt. Vom Schulab-brecher bis zum Hochschulabsolventen findet sich hier alles.

Lösch ist dafür bekannt, dass er mit seinen Laienchören aktuelle Schneisen in Klassiker schlägt. In nächster Nähe zur strukturgewandelten Vorzeigezeche Zollverein, am Grillo Theater Essen, gräbt er sich diesmal durch den Wandel der Arbeitsverhältnisse im Ruhrgebiet. Den Revierchor junger Männer und ihre aus persönlichen Aussagen und Interviews gewonnenen Texte kontrastiert und verbindet er mit der Ruhrgebietssaga «Rote Erde». Und in der Tat gelingt ihm hier im besten Sinne Theater für die Region.
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Theater heute November 2012
Rubrik: Aufführungen, Seite 24
von Natalie Bloch