Aufstieg zu den Müttern

Postmodernes Wissen, klassische Form: Pedro Almodóvars neuer Film «Volver»

Geister machen gewöhnlich nachts auf sich aufmerksam. Klopfgeräusche aus dem Schrank oder Geheul im westlichen Flügel sind immer ein Hinweis darauf, dass in der Vergangenheit noch eine Angelegenheit offen ist. Man kann damit locker umgehen und das Gespenst zu dem Familienmitglied erklären, das es meistens ohnehin ist. Oder man kann sich fürchten, dann gehört die Szene zum Gruselgenre und löst sich meistens in Gelächter auf.

Der spanische Filmemacher Pedro Almodóvar ist bekannt dafür, dass er alle Register des Emotionalen perfekt beherrscht und dass er alle Gattungen seines erweiterten Kunstbegriffs (Kino, Theater, Design, Tanz, Mode) in seine Vision eines radikal verweiblichten Kosmos einbezieht.

 

Ideal Frauenclan

In seinem jüngsten Film «Volver – Zurückkehren» spielt Carmen Maura eine ältere Dame, von der nicht ganz klar ist, zu welcher Welt sie gehört. Ist sie schon tot und kümmert sich um die Lebenden nur, weil die genug damit zu tun haben, ihren Alltag irgendwie klar zu bekommen? Oder ist sie noch am Leben, weil in Wahrheit eine andere Frau an ihrer Stelle gestorben ist und sie sich seither versteckt hält? Ihre Tochter, die resolute Raimunda (Penelope Cruz), ist besonders ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute August/September 2006
Rubrik: Medien/TV, Seite 87
von Bert Rebhandl

Vergriffen
Weitere Beiträge
Die Kunst der Bühne

Der Name klingt holprig und ist zudem schief. «Bühnenbild» – eines jener deutschen Doppelworte, das zwei Begriffe, die nicht so recht zusammenpassen, schamlos hintereinanderhängt in der Hoffnung, dass die dadurch erreichte Verwirrung ausreicht, von unangenehmen Nachfragen abzuhalten. Mit Bildern jedenfalls hat das, was auf den interessanteren deutschen Bühnen neben...

Sei jetzt ganz authentisch!

Für manche war es einer der bewegendsten Momente der diesjährigen Berliner Filmfestspiele: Über den gleichen Teppich, über den in den Vortagen Stars wie George Clooney oder Meryl Streep geschritten waren, liefen nun Andreas Müller und Ilka Welz, die Hauptdarsteller aus Valeska Grisebachs «Sehnsucht». Und die beiden Laienschauspieler aus Brandenburg standen den...

«Seid ihr gewillt, die Krone abzutreten?»

Die Sprachschablonen sind schnell auf einen Nenner gebracht: «Ich habe mir in der Sache nichts vorzuwerfen, um aber Schaden von Amt oder Partei abzuwenden, sehe ich mich dazu gezwungen ...» Ob es um Schwarzgeldmillionen oder Bonusmeilen geht, um Einkaufswagenchips oder echt große Beträge – Rücktritte gehören wie Wahlkämpfe zu den durchinszenierten Manövern in der...