Aufschlag, Return, Einstand

Marianne Freidig «Top Kids»

Gelegentlich schreibt Marianne Freidig Excel-Dialoge, als gehe es um Zahlenkolonnen in Bankkonten. Da ist dann alles, was szenische Plaudertaschen so von sich geben können, parallel gelistet, als habe der Buchhal­ter eines alles andere als herrschaftsfreien Diskurses statistisch erfasst, wer hier gerade wessen verbale Geltungsansprüche nicht respektiert. Wechselt Freidig ins Excel-Format, stranden Figuren in babylonischem Stimmengewirr. Das war schon vor etwas mehr als zwei Jahren so, als ihr «Manana» in Stuttgart zur Uraufführung kam.

Und das ist auch jetzt so, wenn Vere­na, Michael, Inga und Max gleich zu Beginn von «Top Kids» und nach einem vollbrachten Tennismatch Wortgeschosse ziellos durch die Luft schwir­ren lassen.
Da will Max zum Beispiel alle zur Pizza einladen und versucht zwi­schen­­durch mit einem Witz zu landen, während Inga sich über Verenas Tennisstil lustig macht, Verena etwas unkonzentriert auf die Anmache anspringt und Michael ziemlich autistisch vor sich hin brabbelt. Man weiß noch nicht, wo das alles hinführt. Irgendwann wird dann allerdings klar, dass Freidigs «Top Kids» für jeden Scheidungsrichter ein Horror-Szenarium wären. Verena und Michael, ein Ehepaar in ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute August/September 2006
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Jürgen Berger

Vergriffen
Weitere Beiträge
Zuhause in der Suspect Culture

Die Bühne des Schauspiels Magdeburg betritt «David Greig» wie ein überdrehter Conférencier. Als Passagier einer Boeing 777 plappert er, befeuert vom großzügig ausgeschenkten Whisky, gut gelaunt daher. Zum ers­ten Mal fliegt der Dramatiker in die USA, nach San Diego, wo im La Jolla Playhouse sein Stück «Die letzte Botschaft des Kosmonauten an die Frau, die er einst...

Erfolg ist, wenn es trotzdem läuft

Nichts fühlt sich blöder an in einem Kritiker­leben, als wenn man gegen den Erfolg anschreibt. Dort entsetzt zu tun, wo viele andere entzückt sind. Quengeln, wenn die Quote stimmt. Man ist dann auf verlorenem Posten. Was soll man denn sagen, wenn einer in den ersten vier Monaten seiner Intendanz 23.000 Zuschauer mehr hatte als sein Vorgänger? Die Leute werden...

Seniorchef Moor

Die Räuber» sind vor allem auch der Seelenerguss eines Zwanzigjährigen im Kampf gegen die Überväter. Annet­te Pullen, 32, hat Schillers Sturm-und-Drang-Moritat vor allem als gera­dezu zeitgeistiges psychologisches Familien­drama gelesen, als Saga um Maxi­mi­lian Moor, Patriarch im Maßanzug, und seine beiden Söhne Karl und Franz.
Frauen sind in dieser Welt, in...