Aufmucken gegen einen Popanz

Johan Simons wagt an den Münchner Kammerspielen einen neuen «Lear» und schickt den König auf den Bauernhof

Das Stück ist ein Monstrum. Eine Zumutung. Ein hanebüchener Alptraum mit kruden Setzungen und einer Überdosis Gewalt, Schmerz und Raserei. Ein Trip ins Nichts ohne Fluchtwege oder transzendente Abfederung – und doch erzeugt es auch 400 Jahre nach seiner Entstehung einen Sog, der Zuschauer wie Theatermacher magisch anzieht. Den Lear zu spielen, ist auch heute die Krönung einer Darstellerkarriere und gleich­zeitig ein Kraftakt, der im besten Rollenalter kaum noch zu bewältigen ist – Grund, sich dem Schau(er)spiel beizeiten zu nähern.



König oder Bauer

«Look there! Look there!» – Lears letzte Worte prangen mannshoch auf dem rot-weiß-gestreiftem Markisenstoff, der anstelle des eleganten mintfarbenen Samtvorhangs das Jugendstilportal des Schauspielhauses verschließt. Man müsste es nicht zweimal sagen, so hochgespannt waren die Erwartungen auf diese Premiere an den Münchner Kammerspielen; schließlich geistert immer noch die legendäre Vorgängerversion aus dem Jahr 1992, inszeniert von Dieter Dorn in Jürgen Roses edel abgewetztem Vorzeit-Ambiente und mit Rolf Boysen in der Titelrolle, durch das Theatergedächtnis der Stadt.

Nun also wieder «Lear», und wieder führt der Hausherr Regie – man kann ...

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Theater heute Mai 2013
Rubrik: Aufführungen, Seite 12
von Silvia Stammen

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