Achsenmächte in Balance

Das Mannheimer Nationaltheater verarbeitet jede Menge angelsächsische Dramatik – und im Fall von Tony Kushners «Ratgeber für den intelligenten Homosexuellen zu Kapitalismus und Sozialismus mit Schlüssel zur heiligen Schrift» die bislang größte Textmasse der Saison (der vollständige Stückabdruck liegt diesem Heft bei)

Als George W. Bush Anfang 2002 die Metapher in die Welt setzte, fügte er an, all jenen Staaten, die er von jetzt an zur «Achse des Bösen» rechne, nütze künftig keine Tarnung mehr: «We know their true nature.» Da hatte der Präsident längst wieder Haltung gewonnen und wirkte nicht mehr wie einige Monate zuvor beim Aussteigen aus dem Hubschrauber, als er, noch ganz unter dem Schock der einstürzenden New Yorker Zwillingstürme, wie ein scheues Reh nach allen Seiten spähte und für einen kurzen Moment die nervös-ängstliche Seite des Macht­politikers durchscheinen ließ.

Das war einmal. Etwas mehr als zehn Jahre nach dem Tag, der die westliche Welt veränderte, überschreibt das Mannheimer Schauspiel eine Reihe neuer englischer und US-amerikanischer Theatertexte, die es zur deutschen Erstaufführung bringt, mit «Die Achse des Guten». Man kann die Überschrift auch als Drohung verstehen: Wie sieht das ungetarnte amerikanische Gutmenschentum aus?

Sexuelles Familienkonzil

Die Reihe startete früh in der Spielzeit mit Sharr Whites «Der andere Ort». Darin steht das Demenz-Schicksal einer Ärztin stellvertretend für jenes schwarze Loch des Vergessens, in das auch Gesellschaften starren können. Dann ...

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Theater heute April 2012
Rubrik: Aufführungen, Seite 18
von Jürgen Berger