Die Baustelle der anderen

Zu Stuttgart fällt einem zurzeit nur «21» ein. Außer im Staatstheater. Da bedeutet «Der Bau» Heiner Müller, und Hasko Weber führt zurück in eine ferne Zeit. Und die «Drei Western» beweisen vor allem, dass Harald Schmidt sich gut bei René Pollesch eingelebt hat.

Wo gehobelt wird, fallen Späne. Wo zerstört wird, fliegt der Glitter. Zumindest ist das im Stuttgarter Schauspiel so, wo eine Baubrigade kaputt macht, was sie zuvor gebaut hat. Weil es ein Beschluss so will, und weil Beschlüsse nicht verhandelbar sind. «Der Bau» ist ein mehr als vierzig Jahre altes Stück von Heiner Müller, das zumindest in seinem Parabel­charakter für Stuttgart gerade ziemlich aktuell erscheint.

Denn zwischen Innenstadt und der derzeitigen Ausweichspielstätte des Schauspiels in der Türlenstraße liegt der Hauptbahnhof, dessen geplanter Umbau zum vermutlich größten Bürgerunmut geführt hat, den die Schwabenmetropole je erlebt hat. «Stuttgart 21» ist das Prestige­projekt von Bahn, Stadt- und Landesregierung und das Hassobjekt vieler Einwohner.


    Vom «Bau» zum Stadtumbau?

Allerdings geht es im Streit um den Bahnhofsbau um die unpopulären Entscheidungen demokratisch gewählter Volksvertreter, nicht um die absurden Beschlüsse einer totalitären Parteileitung, wie sie Heiner Müller karikiert. Deshalb ist «Der Bau» kein «Stuttgart 21»-Stück, auch wenn es mancher Zuschauer gern so sehen würde. Tatsächlich aber hat Schauspielintendant Hasko Weber den Mikrokosmos einer ...

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Theater heute November 2010
Rubrik: Aufführungen, Seite 30
von Paula van Bergen

Vergriffen